HOME

Durchsuchung im Journalistenbüro: Künstler stehlen Papst-Wasser

Ein Regensburger Journalist hat die Performance von Künstlern gefilmt, die gegen die Vermarktung des Papstes protestieren. Weil einer der Künstler den Garten von Benedikt XVI betreten hat, wurden sämtliche Materialien des Reporters beschlagnahmt.

Von Kathrin Buchner

Vergangenen Freitagabend gegen 19 Uhr in Pendling bei Regensburg: Die Gesichter mit Staubmasken verdeckt, in weiße Overalls aus dem Baumarkt gekleidet, in den Händen einen leeren Wasserkasten. So getarnt führen drei Künstler vor dem Privathaus von Benedikt XVI eine Kunstperformance gegen die Vermarktung des Papstes auf.

Mit dabei ist auch Hubertus Wiendl, der seit zehn Jahren als freier Journalist im Raum Regensburg und Oberpfalz für die ARD, ZDF, den Bayerischen Rundfunk und RTL Fernsehbeiträge verfasst. In der Region ist er bekannt, deswegen hatten die Künstler ihn zu ihrer Performance vor das Haus des Papstes eingeladen, allerdings ohne Details preiszugeben. Wiendl baute sein Stativ vor dem Gartenzaun auf und filmte die Aktion der Künstlergruppe. Spontan ging einer der Künstler durch das offene Tor in den Garten des Papsthauses, holte einen Gartenschlauch, füllte drei Flaschen mit Wasser und verließ das Grundstück wieder. Hubertus Wiendl hielt mit der Kamera drauf ohne seinen Standort, die öffentliche Straße, zu verlassen.

Auch Wackersdorf-Kassetten beschlagnahmt

Am nächsten Tag stand die Polizei vor der Tür von Hubertus Wiendls Studio. Sie zeigten ihm einen Durchsuchungsbefehl und beschlagnahmten sämtliches Material: Computer, alle Festplatten, Kameras, alle DVDs und VHS-Bänder, darunter auch 20 Kassetten über Wackersdorf. "Ich bin nicht mehr arbeitsfähig", sagt Wiendl gegenüber stern.de. "Noch dazu bin ich komplett kriminalisiert worden, selbst meine Mutter nennt mich einen Verbrecher. Meine Arbeitsgrundlage ist weg. Jetzt kann ich zum Sozialamt gehen."

Zeugnisverweigerungsrecht zählt weniger als Hausfriedensbruch

Vorgeworfen wird dem Journalisten schwerer Hausfriedensbruch beim Papst und Diebstahl von Wasser im Wert von einem Euro. "Mein Unrechtsbewusstsein hält sich in Grenzen", sagt Wiendl. "Ich habe den Garten nicht betreten und wusste auch nicht, dass die Künstler das tun werden. Das war eher spontan. Ich habe lediglich gefilmt." Die Namen der Künstler wolle er aber nicht preisgeben, da beruft er sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, das jedem Journalisten einräumt, Namen von Informanten für sich zu behalten. Das Band mit der Performance habe sich allerdings nicht mehr in seinem Besitz befunden.

Staatsanwalt spricht von "gemeinschaftlicher Aktion"

Der ermittelnde Regensburger Leitende Oberstaatsanwalt Johann Plöd sagte gegenüber stern.de, man sei aufgrund von Zeugenaussage auf den Journalisten gestoßen und wisse wohl, dass nur eine der Personen in den Garten eingestiegen sei. Aber es handle sich um eine "gemeinschaftliche Aktion von vier Personen". Hubertus Wiendl sei im Rahmen der Durchsuchung befragt worden, habe sich aber geweigert, die Namen der Künstler zu nennen. "Wir werten die Festplatte aus. Ziel ist es, mehr über die anderen Personen zu erfahren. Anschließend wird über die Rückgabe entschieden. Das wird in ein paar Tagen erfolgen", sagte Plöd. Den Streitwert des Diebstahls müsse man noch festlegen, aber viel schwerer wiege für ihn der Umstand des Hausfriedensbruchs, "das hat keiner so gerne, wenn bei ihm eingedrungen wird", so Plöd.

Hubertus Wiendl spricht von einem "riesigen Justizskandal". Er sei nur froh, dass seine Tochter und seine Frau im Urlaub seien und nicht mitbekommen hätten, wie der Staatsschutz in der Tür steht. Am Donnerstag wird er eine Pressekonferenz abhalten, um der Öffentlichkeit seine Version der Geschichte zu erzählen. Eins ist sicher: Das Privathaus des Papstes in Bayern wird gut bewacht.