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Heiko Senking Der Bürgermeister von Ebstorf über seine Anti-AfD-Aktion: "Wahl zwischen Pest und Cholera"

Seine Aktion rief zehntausende Reaktionen bei Facebook hervor - Heiko Senking aus Ebstorf entfernte ein AfD-Plakat vor der Geschäftsstelle seines Sportvereins. Er sagt im stern-Interview: "Es ist und bleibt eine Straftat."

Heiko Senking aus dem Dorf Ebstorf in Niedersachsen wollte eigentlich nur, dass vor dem Clubhaus seines Sportvereins kein Wahlplakat mehr der Rechtspopulisten von der AfD hängt. Also entfernte er das Poster und veröffentlichte bei Facebook ein Statement zu der Aktion.

Im stern-Interview erzählt der Vereinsvorsitzende des TuS Ebstorf, der gleichzeitig das Bürgermeisteramt in der 5000-Seelen-Gemeinde bekleidet, von den Reaktionen auf seine ungewöhnliche Maßnahme.

Sie haben sich direkt nach dem Abhängen des Plakats selbst angezeigt - wie haben die Polizisten reagiert?

Ich war gar nicht bei der Polizei, ich bin Beamter bei der Staatsanwaltschaft in Lüneburg und habe die Anzeige dort abgegeben. Die Angelegenheit wird jetzt ganz professionell abgearbeitet, ich werde da nicht besser oder schlechter behandelt als jeder andere Bürger. Ich bin mir sicher, dass von anderer Seite auch noch weitere Anzeigen hinzukommen.

"Es ist und bleibt eine Straftat"

Rechnen Sie mit einer Strafe?

Was ich gemacht habe, ist und bleibt eine Straftat. Möglicherweise kommt eine Geldstrafe auf mich zu, vielleicht - ich bin ja niedersächsischer Landesbeamter - auch ein Disziplinarverfahren.

Sie sind nicht ja nicht nur Vereinsvorsitzender und Landesbeamter, sondern auch Bürgermeister...

Ich habe meine Stellvertreter und den gesamten Rat von meiner Aktion in Kenntnis gesetzt, da gab es keinen Widerspruch.

AfD in Ebstorf kein großes Thema

Ist denn die AfD in Ihrem Ort so ein großes Thema?

Nein, eigentlich überhaupt nicht, bei uns in der Samtgemeinde gibt es vielleicht eine Person, die da engagiert ist. Und trotzdem: Direkt vor unserer Geschäftsstelle hat so ein Plakat nichts zu suchen, bei uns gehen auch viele Migranten ein und aus. Mir selbst ist die Werbung auch gar nicht aufgefallen, ich wurde unter anderem von zwei Kindern auf das Plakat angesprochen. Mit meinem Facebook-Post wollte ich meinen Vereinskollegen nur zeigen, dass ich mich gekümmert habe. Übrigens hängt direkt auf der anderen Straßenseite das gleiche Plakat noch einmal.

Sie haben der AfD angeboten, das Wahlplakat zurückzugeben oder an einem anderen Ort aufzuhängen - ist die Partei schon auf Sie zugekommen?

Das weiß ich gar nicht, um ehrlich zu sein. Es klingelt ständig auf meinem Handy, ich gebe Interviews am laufenden Band und mein E-Mail-Postfach ist voll, daher bin ich mir nicht sicher, ob sich die Partei gemeldet hat. Das Angebot steht aber noch.

"Leider auch viele Hassmails und Drohungen"

Was bekommen Sie für E-Mails?

Es ist viel Kritik darunter - sachliche, leider aber auch viele Hassmails und Drohungen. Die werde ich ebenso an die Kollegen der Staatsanwaltschaft geben. Allerdings: Die überwiegende Zahl an Rückmeldungen ist positiv, zu 95 Prozent, würde ich sagen.

Würden Sie Ihre Aktion wieder genau so machen?

Naja, das ist schwer abzuschätzen. Ich weiß, die Aktion war nicht richtig, aber dass das Plakat vor unserem Vereinsheim hing, war auch nicht richtig. Es war also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich habe mich für die Cholera entschieden und warte ab, welche Konsequenzen es gibt.


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