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Eheleben: Politiker sind auch nur Menschen

Während Günther Öttinger noch beteuert, um seine Ehe gekämpft zu haben, zeigt sich sein Amtskollege Christian Wulff bereits mit neuer schwangerer Lebensgefährtin. Dabei finden zwei Drittel der Deutschen laut einer Umfrage ein geordnetes Privatleben für die Glaubwürdigkeit eines Politikers wichtig.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat nach eigenen Worten um seine Ehe gekämpft. In einem Interview der "Bild am Sonntag" sagte er: "Bis in den Herbst hinein hatte ich gehofft, dass es meiner Frau und mir gelingen könnte, unsere Ehe zu retten. Ich habe jedenfalls darum gekämpft und es nicht geschafft." Zugleich sagte Oettinger, er habe im Laufe der Zeit von der Beziehung seiner Frau zu einem Berliner Porsche-Manager erfahren. Für ihn habe die Rettung seiner Ehe im Mittelpunkt gestanden.

Nach 13 Jahren hatten die Oettingers am vergangenen Montag das Ende ihrer Ehe bekanntgegeben. Der 54-jährige CDU-Politiker und seine 41 Jahre alte Frau beendeten damit monatelange Spekulationen über eine Ehekrise. Zur Begründung hatte der Regierungschef in der "Bild"- Zeitung gesagt: "Meine Frau war zunehmend unglücklich mit der Belastung, die durch Termine und Öffentlichkeit entstanden ist." Oettinger ist der erste Regierungschef in der Geschichte Baden- Württembergs, der sich während der Amtszeit von seiner Frau trennt.

Nicht jeder hat das Glück einer guten Ehe

Zwei Drittel aller Deutschen sind laut einer Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" der Ansicht, für die Glaubwürdigkeit eines Politikers sei ein geordnetes Privatleben wichtig. In Ostdeutschland liegt der Wert mit 71 Prozent höher als im Westen (64 Prozent). Bei den Anhängern von CDU/CSU, SPD und FDP sind jeweils zwei Drittel dieser Auffassung, für die der Grünen (46 Prozent) und der Linke (55 Prozent) spielt das Privatleben der Politiker eine geringere Rolle.

Oettingers niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff (CDU) hatte sich Mitte 2006 von seiner Frau getrennt; seine neue Lebensgefährtin erwartet nun ein Kind von ihm. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte zu seinen Ansprüchen an das Privatleben eines CDU-Spitzenpolitikers in der "Bild am Sonntag": "Er muss sich immer seiner öffentlichen Verantwortung bewusst sein und damit rechnen, für das, was er tut, Rechenschaft ablegen zu müssen." Kauder selbst ist seit 31 Jahren verheiratet. "Ich bin dankbar, dass ich in einer glücklichen Ehe leben kann." Oettinger und Wulff "hatten offensichtlich nicht mein Glück".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, erklärte: "Politiker sind keine Engel. Man soll sich endlich abschminken, dass Politiker besondere Menschen sind." Sie seien Frauen und Männer aus dem Volk mit den gleichen Fehlern und Vorzügen. "Nur die Heuchelei mancher Christdemokraten, die ein Bild eines sogenannten perfekten Familienlebens zeichnen und das dann politisch ausschlachten, fällt ihnen immer wieder auf die Füße." Weiter erklärte Beck: "Wenn wir Politiker uns nicht selbst erhöhen, werden wir durch Nachrichten über unser persönliches Leben auch nicht erniedrigt werden. Ein guter Rat an die Kolleginnen und Kollegen: Das Privatleben vor Strategien der politischen Vermarktung schützen!"

DPA/AP / AP / DPA