VG-Wort Pixel

Ehemaliger Verteidigungsminister Guttenberg will Auszeit im Ausland nehmen


Seit ein paar Wochen ist es still geworden um den Ex-Doktor und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker soll derzeit eine längere Auslandsreise vorbereiten. Abflugtermin: bereits im Sommer.

Die letzten Wochen und Monate verliefen für Karl-Theodor zu Guttenberg eher untypisch. Entgegen seiner Gewohnheiten sah und hörte die Öffentlichkeit seit seinem Rücktritt als Verteidigungsminister kaum noch etwas von dem Adligen aus Bayern. "Der Spiegel" will erfahren haben, dass der CSU-Politiker derzeit einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt vorbereitet. Bereits drei Tage nach seinem Rücktritt hatte es Gerüchte gegeben, dass Guttenberg ein Angebot von einer Consulting-Firma in den USA habe.

In Gesprächen mit Vertrauten und in E-Mails an Freunde soll Guttenberg ein "Sabbatical" angekündigt haben. Seine Auszeit soll mindestens zwei Jahre dauern. Seine Frau Stephanie bestätigte lediglich, dass "eine Reihe von interessanten Optionen" für einen beruflichen Neustart im In- und Ausland geprüft würden. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Der ehemalige CSU-Star zu Guttenberg scheint die Hoffnung zu hegen, dass in dieser Zeit Gras über die Affäre um seine in Teilen abgekupferte Doktorarbeit wächst. In dieser hatte Guttenberg Sätze, Absätze und ganze Passagen von anderen Autoren übernommen, ohne die Quellen zu nennen. Die Universität Bayreuth erkannte Guttenberg den Doktortitel ab, die sie ihm einst summa cum laude verliehen hatte.

Comeback in der Politik

Doch Guttenberg soll schon jetzt an die Zeit nach seiner Auszeit denken und Pläne schmieden. Ein Comeback in der Politik soll der Gutsherr nicht ausschließen. War doch seine Karriere dort ebenso steil wie kurz. Neun Monate bekleidete Guttenberg das Amt des Wirtschaftsministers, wechselte im Oktober 2009 an die Spitze des Verteidigungsministeriums, ehe er seinen Sessel im März dieses Jahres unfreiwillig räumen musste.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer schließt eine Rückkehr des früheren Verteidigungsministers in die Politik nicht aus. "Der Karl-Theodor, dem sollte man jetzt die Zeit gönnen. Ich bleibe dabei, der ist für mich nach wie vor ein sehr, sehr begabter Politiker", sagte Seehofer in einem Video-Interview der "Leipziger Volkszeitung". "Und wir werden, wenn die Zeit gekommen ist, auch wieder über diese Frage reden, ihn wieder einzubinden in unsere Gesamtpolitik."

Wohin es den Ex-Minister, seine Frau Stephanie und seine beiden Töchter zieht, soll noch nicht feststehen. Als Favoriten sollen die USA und London gelten, will "Der Spiegel" in Erfahrung gebracht haben. Für den Abgang nach Amerika spricht, dass die Adelsfamilie gute Kontakte in die Staaten hat und Guttenberg selbst stets um ein gutes transatlantisches Verhältnis bemüht war.

Vor seiner Abreise könnte Karl-Theodor zu Guttenberg zu alter Höchstform auflaufen: Er soll seinen Vertrauten angekündigt haben, noch ein großes Interview zu der Plagiatsaffäre geben zu wollen.

swd mit DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker