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Es ist uns nicht egal ...: ... dass die Pflegereform auf sich warten lässt

Die Wahl ist vorbei. Es gibt viel zu tun und genug Probleme, die uns wütend machen. Nach zornigen stern-Mitarbeitern und Prominenten empören sich stern-Leser. Heute: Julian Graf.

In den Wochen vor der Wahl hieß es ständig, Deutschland gehe es gut, es müsse nur so weitergehen. Das Gerede über die Wohlfühl-Republik hat uns in der stern-Redaktion wütend gemacht. Deswegen haben wir die Aktion "Es ist uns nicht egal" ins Leben gerufen. Nachdem stern-Mitarbeiter und zahlreiche Prominente aufgeschrieben haben, was ihnen nicht egal ist in diesem Land, kommen jetzt Sie, liebe Leserinnen und Leser zu Wort. Was ist Ihnen nicht egal? Und warum? Schreiben Sie unserer stellvertretenden Chefredakteurin unter anita.zielina@stern.de.

Hunderte Kommentare haben uns schon erreicht, eine Auswahl werden wir täglich auf stern.de veröffentlichen.

Heute empört sich Julian Graf:

"Mir ist es wirklich nicht egal, dass die Pflegereform auf sich warten lässt und Pflegeberuf so unattraktiv für Jugendliche erscheinen."

Ich bin 17 Jahre alt und mein Berufswunsch ist Krankenpfleger. Doch wahrscheinlich bin ich im Moment von allen Jugendlichen der Einzige mit diesem Berufswunsch. Warum nur? Die Sache ist doch eigentlich ganz klar: Die Jugend von heute interessiert sich für andere Dinge als für dieses "langweilige" Thema. Doch in seinem Leben wird jeder einmal mit Pflegepersonal zu tun bekommen. Sei es bei der Geburt des eigenen Kindes oder wenn man älter geworden ist und kleine Wehwehchen behandeln lassen muss! Dann freut sich jeder über Krankenpfleger und -schwestern.

Die Politiker müssen endlich aufhören zu sagen, dass irgendwann eine Pflegereform kommen muss. Sie muss nicht IRGENDWANN kommen, sie muss JETZT kommen! Es bringt nichts wenn alle sagen, dass es ja auch Ausländer gibt, die den Job übernehmen könnten. Mal ganz ehrlich, sind sich die Deutschen zu fein so einen Job zu machen?

Nein, sind sie nicht! Die Jobs in der Pflege sind nur nicht attraktiv genug für Jugendliche. Heutzutage schauen die Jugendlichen darauf, wie sind die Arbeitszeiten?

Wie sieht es mit der Vergütung aus? Da bin ich schon beim Thema Mindestlohn. Wenn die Linken sagen Mindestlohn 10 Euro - gut und schön aber man darf dann nicht vergessen, dass man einen Unterschied sehen muss zwischen einer examinierten Fachkraft und einer Pflegehilfskraft.

Wenn der Mindestlohn kommen sollte, muss auch der Lohn für die Fachkräfte erhöht werden. Es kann nicht sein, dass eine Fachkraft z.B. mit 11,50 Euro abgespeist wird und eine Hilfskraft ohne dreijährige Ausbildung und ohne Examen 10 Euro bekommt. Das sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass das nicht in Ordnung ist. Die Gesellschaft wird immer älter, das heißt, man braucht auch mehr Pflegepersonal. Doch wenn man die Jugendlichen mit den o.g. Mitteln vergrault sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen zu entscheiden, dann braucht sich Deutschland irgendwann nicht wundern, wenn es kein deutsches Pflegepersonal mehr gibt.

Und das kann nicht sein! Wenn die Politik nichts gegen den Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege, tut, dann wird Deutschland den Bach runter gehen! Zum Teil sieht man das auch jetzt schon. Es kann doch nicht sein, dass es auf dem Land Leute gibt, die ohne Auto kilometerlange Strecken zu einem Arzt in der nächsten Stadt zurücklegen müssen, nur weil es keine Ärzte mehr auf dem Land gibt. Da kann man nur weinen und gleichzeitig lachen, wenn es heißt, der Staat finanziert jungen Ärzten ein Haus mit allem Drumherum, dafür dass sie aufs Land ziehen und dort dann eine Praxis aufmachen.

Es muss sich schnell ganz viel ändern in der Gesundheitspolitik! Ich hoffe, ich erlebe das noch in meinem Leben.

Julian Graf, 17 Jahre alt aus Hannover

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