Ex-PKK-Geisel Hainzlmeier "Den Ararat hatten wir immer im Blick"

Helmut Hainzlmeier ist wieder zu Hause. 13 Tage war er in der Gefangenschaft der kurdischen Terrororganisation PKK. Im Interview mit stern.de spricht er über die Entführer, einer gescheiterten Übergabe und seiner Furcht vor der türkischen Armee.

Herr Hainzlmeier, wie geht es Ihnen?

Mir geht es sehr gut.

Sie waren fast zwei Wochen in den Händen der PKK. Können Sie schildern, wie diese Zeit war?

Es war hart, keine Frage. Vor allem die Wanderungen - wenn man es so nennen will - in der Nacht. Wir haben fast täglich den Standort gewechselt, immer nachts. Tagsüber haben wir geschlafen und gegessen.

Hatten Sie eine ungefähre Ahnung gehabt, wo Sie gerade waren?

Wir hatten oft sternklare Nacht. Den Ararat hatten wir immer im Blick. Auch den Polarstern habe ich ständig gesehen. Wir haben uns Richtung Osten bewegt, bis wir an eine Bärenhöhle kamen. Dort blieben wir drei Nächte.

Abseits der drei Geiseln: Wie groß war die Gruppe?

Das wechselte zwischen vier und neun PKK-Angehörigen. Bis zu 15 Personen haben sich immer wieder abgewechselt. Es hatte den Anschein, als würden jeweils vier Entführer zusammen gehören.

Der ständige Ortswechsel hört sich nach ziellosem Herumirren an.

Die Entführer wussten sehr wohl, wo sie hin wollen. Überall hatten sie eine Art Stützpunkt, Lava-Höhlen beispielsweise. Vor dem Grenzübergang zum Iran wussten sie genau, dass die türkische Armee hier die Straßen abgesperrt hat. Darum brachen wir dann auch wieder Richtung Ararat auf. Im Bereich dieses Berges mussten sie sich aufhalten. Dieses Gebiet hat das Militär ausgeklammert - Gott sei Dank, aus unserer Sicht.

Warum?

Uns erschien ein unmittelbares Aufeinandertreffen der Entführer mit der türkischen Armee als größte Gefahr. Das wäre kritisch geworden.

Sonst hatten Sie keine Angst?

Ich habe nie um mein Leben gefürchtet. Wir haben auf die Aussage der PKK vertraut, dass sie uns als Gäste ansehen. Wir durften etwa täglich die Deutsche Welle hören. Wir waren also auch auf dem Laufenden.

13 Tage in Gefangenschaft müssen dennoch zermürbend sein.

Wir haben mitbekommen, dass bereits am Montag vor einer Woche eine Übergabe - die Entführer sprachen immer von einem "Event" - gescheitert war. Man wollte uns nur neutralen Vermittlern ausliefern, damit objektiv festgestellt werden kann, dass uns die PKK nichts angetan hat. Knapp eine Woche später hat’s dann geklappt.

Wie verbringen Sie die nächsten Tage?

Ich will jetzt vor allem eines: Ruhe.

Interview: Martin Rutrecht


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