Deutsche Geiseln Baldige Freilassung unwahrscheinlich


Helmut H. und die beiden anderen von der PKK in der Osttürkei entführten deutschen Bergsteiger können nicht mit einer schnellen Freilassung rechnen. Die kurdische Arbeiterpartei stellte der Bundesregierung Bedingungen für die Freilassung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier lehnte diese umgehend ab.

Die kurdische Arbeiterpartei PKK hat Bedingungen für eine Freilassung der drei im Osten der Türkei entführten deutschen Bergsteiger gestellt. Solange der deutsche Staat nicht erkläre, dass er "seine gegen das kurdische Volk und gegen die PKK gerichtete feindliche Politik aufgibt", würden die entführten deutschen Staatsbürger nicht freigelassen, hieß es in einer am Donnerstag von der Nachrichtengentur Firat verbreiteten Erklärung der PKK. Einzelheiten zu der "feindlichen Politik" wurden nicht genannt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier stellte umgehend klar, die Bundesregierung lasse sich nicht erpressen. "Wir erwarten eine sofortige und bedingungslose Freilassung." Der Krisenstab im Auswärtigen Amt in Berlin arbeite weiter intensiv an einer Lösung. "Ich hoffe auf ein gutes Ergebnis", sagte Steinmeier.

Bundeskriminalamt schickt Experten in die Türkei

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnte die PKK-Forderungen ab. "Es kommt nicht infrage, dass wir mit der PKK darüber verhandeln, ob wir deutsche Gesetze anwenden oder nicht", sagte Schäuble im MDR. Nach seinen Worten wurden auch Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes in die Türkei geschickt, damit sie dortige Stellen unterstützen. Es gehe darum, energisch und umsichtig zu handeln. "Wir tun alles, dass die Drei wohlbehalten wieder freikommen", versicherte Schäuble.

Den drei deutschen Geiseln gehe es gut, ihnen sei nichts geschehen, erklärte die PKK weiter. Die Kurdenrebellen hegten dem deutschen Volk gegenüber keine Feindschaft, hieß es. Das türkische Militär wurde aufgefordert, seine Operationen am Berg Ararat einzustellen, da dies das Leben der Geiseln gefährde. Die Behörden hatten den Berg im Osten des Landes für Touristen gesperrt. Fünf PKK-Kämpfer hatten am Dienstagabend die drei aus Bayern stammenden Männer aus einem Camp am Ararat auf 3200 Metern Höhe verschleppt.

Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Agri, Mehmet Cetin, will die PKK ihre Geiseln in den kommenden Tagen freilassen. Sie habe die Entführung mit den "jüngsten Aktionen" der Bundesregierung gegen die PKK begründet. Vor knapp drei Wochen hatte das Bundesinnenministerium ein Betätigungsverbot gegen einen kurdischen Fernsehsender verhängt. Die PKK selbst ist in Deutschland seit November 1993 verboten.

In Berlin laufen die Bemühungen um die Geiseln auf Hochtouren: "Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich unverändert weiter um die Freilassung der Entführten", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Weitere Details nannte er nicht.

Bergsteiger reisen ab

Die verbliebenen zehn Mitglieder der deutschen Bergsteigergruppe haben laut Cetin beschlossen, das Gebiet um den Ararat zu verlassen. Der Gouverneur sagte, Vertreter der deutschen Botschaft in Ankara hätten mit den deutschen Bergsteigern gesprochen, die nach der Entführung ihrer Kollegen auf der Ararat in die Stadt Dogubeyazit am Fuß des biblischen Berges zurückgekehrt waren. Mit welchem Ziel die verbliebenen Bergsteiger nun Dogubeyazit verlassen wollten, ging aus der Meldung nicht hervor. Der Deutsche Alpenverein hat ein Kriseninterventionsteam in die Türkei geschickt. Die Experten sollen sich vor Ort um die Reisegruppe kümmern, zu der die Entführten gehören. "Der Einsatz erfolgt in enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und den vor Ort tätigen Einsatzkräften", so der Alpenverein in einer Mitteilung.

Das Auswärtige Amt rät als Konsequenz aus der Entführung dringend von Reisen in die Südosttürkei ab, insbesondere in die Provinzen Hakkari, Sirnak, Mardin, Siirt, Van, Agri und Igdir. Infolge der deutschen Maßnahmen gegen den PKK-nahen kurdischsprachigen Fernsehsender Roj-TV lägen Gefährdungshinweise vor, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums. Es bestehe die Gefahr, dass Deutsche, insbesondere Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheakten durch PKK-Terroristen werden könnten.

DPA/AP/Reuters/AFP AP DPA Reuters

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