PKK-Geiselnahme "Es hätte auch blutig enden können"


Die niederbayerische Kleinstadt Abensberg jubelt über die Freilassung der drei Geiseln, die zwölf Tage lang in der Gewalt der PKK waren. "Wir sind froh, dass es endlich vorbei ist", sagte der Sohn des entführten Helmut H. zu stern.de.
Von Christian Eckl

Klaus H. ist erleichtert über die Nachricht, die den Sohn von der Freilassung seines Vaters Helmut H. in Weltenburg bei Kelheim erreicht: "Natürlich sind wir alle sehr froh, dass das endlich vorbei ist", sagt er stern.de. "Aber ich möchte nichts weiter sagen als das: Meine Familie braucht jetzt sehr, sehr viel Ruhe, um das Geschehene verarbeiten zu können".

Zusammen mit seinem Vater war Klaus H. am 4. Juli zum Berg Ararat aufgebrochen. Dort wollte die 13-köpfige Reisegruppe den Bibelberg besteigen. Doch am Abend des 8. Juli wurden die Bergsteiger der Alpenvereins-Sektion Kelheim plötzlich von bewaffneten Männern überrascht. Die PKK-Soldaten suchten nach deutschen Geiseln - der 65-jährige Abensberger Helmut H. meldete sich ebenso wie sein Arbeitskollege Martin S., 47, und sein Ex-Arbeitskollege Lars R., 33, freiwillig. Zwölf Tage lang war das Schicksal der Geiseln ungewiss. Am heutigen Sonntagmittag hieß es vom Außenministerium in Ankara, die Geiseln seien von der PKK-Gruppe auf einem Hügel zurück gelassen worden und nun in der Obhut der türkischen Behörden.

"Ich kenne den Tod nur zu gut"

"Ich bin so erleichtert, dass mein Bruder wieder frei ist", sagt auch Elfriede H. Die Abensbergerin hat die Nachricht vor einer Stunde durch Journalisten erfahren. Doch die Schwester der inzwischen freigelassenen Abensberger Geisel kann sich noch nicht wirklich freuen: "Das Schicksal der drei Bergsteiger am Nanga Parbat erschüttert mich ebenso zutiefst wie die Entführung meines Bruders", sagt sie. Während die Abensbergerin zusammen mit ihrer Familie und vielen Einwohnern der niederbayerischen Kleinstadt um den Ingenieur Helmut H. bangte, berührte sie das Drama in Pakistan, "weil ich weiß, dass auch mein Bruder, der ein passionierter Bergsteiger ist, die Ereignisse dort schrecklich findet".

Die Nerven behalten konnte Elfriede H. in den letzten Tagen nur deshalb, weil sie den Tod gut kennt: Sie arbeitete selbst als lange Jahre als Krankenschwester: "Da ist man so oft mit dem Tod konfrontiert, dass man immer auf ihn gefasst ist". Doch "ich habe mich auch ehrenamtlich lange Jahre in der Kirche engagiert, da lernt man, dass der Glaube und die Hoffnung als Letztes sterben".

"Die Situation war brenzlig"

Nach der Rückkehr der zehn nicht entführten Reiseteilnehmer wurden diese an einem geheimen Ort nach den Ereignissen am Ararat befragt. Unterwegs mit der Gruppe war auch der Kelheimer Mediziner Richard B., 63. Der Allgemeinarzt erinnert sich an die Entführung: "Das war durchaus eine brenzlige Situation". Die bewaffneten PKK-Anhänger hätten keinen Zweifel daran gelassen, dass sie es ernst meinten mit einer Entführung. "Wir haben natürlich gehofft, dass es so ausgeht, wie es jetzt gemeldet wird und die Entführten frei gelassen werden, ohne dass ihnen etwas zustößt", sagt der Arzt. "Aber es hätte auch blutig ausgehen können", so B. Doch zu Beginn der Reise sei das niemandem in der Gruppe klar gewesen: "Keiner von uns hat damit gerechnet, dass etwas Derartiges passieren könnte", so B. Von einer Reisewarnung habe die Gruppe nichts gewusst.

Bürgermeister: Wir lassen die Familie in Ruhe

Auch Abensbergs Bürgermeister Dr. Uwe Brandl reagierte in einer ersten Stellungnahme hoch erfreut auf die Nachricht - "wenn sie denn wahr ist". Brandl äußerte sich zurückhaltend darüber, ob die Stadt eine Feier für die Rückkehrer veranstalten wird. "An erster Stelle steht jetzt zunächst die Familie, der muss man jetzt genügend Zeit lassen", so Brandl. Schließlich seien die Ereignisse "alles andere als alltäglich gewesen".


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