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Familienreport 2009: Elterngeld allein reicht nicht

Familienministerin Ursula von der Leyen lässt sich feiern: Ein Großteil der Deutschen findet ihre Politik richtig und gut, die Zahl der Geburten nimmt wieder zu. Aber trotz des positiven Trends ist Deutschland meilenweit davon entfernt, das Demographie-Problem zu lösen. Was fehlt, sind Betreuung und echte Gleichberechtigung.

Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Endlich mal gute Nachrichten: Die Deutschen bekommen wieder mehr Kinder. Familie hat Konjunktur. Vor allem Frauen und Männer zwischen 30 und 40 Jahren sagen wieder häufiger: "Yes, we can". Wie schön.

Für den deutschen Kindersegen sorgt das neue Elterngeld. Das finden 73 Prozent der Bevölkerung gut. Traumhafte Ergebnisse für Familien-Ministerin Ursula von der Leyen. Von solchen Umfrage-Werten können Angela Merkel und Peer Steinbrück nur träumen.

Aber es gibt keinen Anlass zu glauben, das Thema habe sich erledigt. Auch mit ein paar tausend Babys mehr im Jahr wird die deutsche Bevölkerung schrumpfen.

Vaterzeit wird nicht immer toleriert

Der Grund: Deutschland ist nach wie vor ein Entwicklungsland in Sachen Gleichberechtigung. Zwar nehmen sich inzwischen 16 Prozent der Väter zwei Monate Zeit um ihre Babys zu füttern, zu wickeln und mit ihnen den Pekip-Kurs zu besuchen.

Aber was machen die übrigen 84 Prozent? Sie haben entweder keine Lust, oder sie trauen sich nicht. Weil sie wissen, bei vielen Chefs gelten Väter mit Wickelvolontariat als Weicheier. Die man abschreiben kann, die kein Interesse an Karriere haben. Offiziell sagen die Chefs zwar, Familienzeit sei ganz wichtig und auch noch eine tolle Weiterbildung für angehende Abteilungsleiter. Aber sie handeln anders. Und das wissen die Väter.

Den Mammut-Anteil der Erziehungsarbeit leisten nach wie vor die Frauen. 56 Prozent würden gern arbeiten. Aber sie wissen nicht, wo sie ihr Kind unterbringen sollen. Denn der Krippenausbau kommt - trotz aller politischen Versprechungen - nur sehr zögerlich voran. Von den zwei Milliarden Euro, die der Bund zum Ausbau bis 2013 bereitstellt, wurde bisher nur ein Bruchteil abgerufen.

Dabei sind die Jahre im Kindergarten noch die einfachsten. Das Problem, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, beginnt, wenn die Kinder in die Schule kommen. Flächendeckende Ganztagsschule gibt es nicht.

Familienleben bleibt ein "Hindernisrennen"

Trotz der schönen Zahlen aus dem Familienreport: Das Leben für Mütter und Väter ist in Deutschland nach wie vor ein Hindernisrennen. Bis zum Musterland Schweden, von dem die Regierung das Elterngeld abgeschaut hat, ist es noch ein weiter Weg. Im Norden arbeiten 80 Prozent der Frauen. Für alle Kinder ab zwei Jahren gibt es selbstverständlich Betreuung. Da könnte mal ein Konjunkturprogramm ansetzen. Dann gäbe es für Familien in Deutschland richtig was zu feiern. Und vielleicht mehr Väter, die sich trauen, acht Wochen in Elternzeit zu gehen. Oder sogar länger.