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Forderung der Türkischen Gemeinde: Schulfrei für alle an muslimischen Feiertagen

Schulfrei für alle Kinder an einem muslimischen Feiertag? Ein Vorstoß der Türkischen Gemeinde in Deutschland stößt bei Politikern und Kirchenvertretern überwiegend auf Ablehnung. Der Zentralrat der Juden findet die Idee gar nicht so schlecht - und steuert eine eigene hinzu.

Der Vorstoß der Türkischen Gemeinde für einen muslimischen Feiertag in Deutschland ist auf Ablehnung gestoßen. "Wir müssen Bildungs- und Aufstiegschancen und Deutschkenntnisse für Zuwandererkinder verbessern, statt neue Feiertage einzuführen", sagte Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Zentralrat der Juden unterstützt den Vorschlag und forderte einen eigenen schulfreien Feiertag.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte, ein muslimischer Feiertag im deutschen Schulkalender wäre ein "Zeichen der Toleranz". "Ich fände es gut, wenn man an einem Tag, etwa dem muslimischen Opferfest zum Ende des Ramadans, allen Kindern frei gibt", sagte er der "Berliner Zeitung" vom Dienstag. Viele strenggläubige türkische Eltern seien inzwischen auch dazu bereit, ihren Kindern zuliebe einen Weihnachtsbaum aufzustellen, obwohl sie dies eigentlich ablehnten.

Integrationspolitik wirft andere Fragen auf

Laschet kritisierte hingegen, in der Integrationspolitik gehe es um wichtigere Fragen. "Kolats Vorschlag zeigt eine mangelnde Ernsthaftigkeit", sagte er der "FAZ". . Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dazu: "Ich sehe keine Veranlassung, aus diesem Tag einen generell schulfreien oder arbeitsfreien Feiertag für alle zu machen." Er begrüßte die bereits gängige Praxis, dass muslimische Schüler an ihren Feiertagen nicht in die Schule kommen müssen. Dies funktioniere vor allem in Großstädten gut und unbürokratisch.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, lehnte den Vorschlag in diesem Umfang ab. Es gebe einen "Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes", sagte Huber der Zeitung. Darüber bestehe breiter Konsens. Er befürworte allerdings die Möglichkeit, muslimische Schüler an Festtagen des Islams für die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen vom Unterricht zu befreien.

Zentralrat der Juden: "Es wäre ein schönes Signal"

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband, unter dessen Dach 100 Migrantenorganisationen versammelt sind, kritisierte den Vorschlag der Türkischen Gemeinde. "Davon halte ich gar nichts. Das würde andere Religionen nur vor den Kopf stoßen", sagte die Vorsitzende Heidi Merk in einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Merk plädierte stattdessen für einen "Tag der Religionen" an einem ganz normalen Samstag oder Sonntag.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, unterstützte hingegen den Vorschlag von Kolat. "Es wäre ein sehr schönes Signal", sagte Kramer der Tageszeitung "Die Welt". Zugleich sprach er sich für einen jüdischen Feiertag im deutschen Schulkalender aus. "Das könnte Jom Kippur, das Fest der Versöhnung sein", sagte Kramer. Wichtig sei, dass alle Kinder an diesem Tag schulfrei hätten, um sich der Bedeutung des Tages bewusst zu werden.

AFP/DPA / DPA