Forsa-Umfrage für Hamburg Politische Stimmung nach dem Bruch der Koalition


Nach dem Bruch der Hamburger Mitte-Rechts-Koalition, der von der überwiegenden Mehrheit der Hamburger begrüßt wird, ist die politische Stimmung in der Hansestadt für die CDU extrem günstig - das ergab eine für den stern in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage.

In der Freien und Hansestadt Hamburg hat sich in den letzten zwei Jahren ein grundlegender Wandel in den politischen Einstellungen vollzogen.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges war die SPD – mit kurzer Unterbrechung Anfang der 50er Jahre – stets die dominante politische Kraft. Die CDU spielte in der Stadt eher eine untergeordnete Rolle. Selbst der sich in den letzten 25 Jahren in Etappen vollziehende Niedergang der SPD brachte der CDU kaum einen Bedeutungszuwachs. So profitierte bei der letzten Bürgerschaftswahl 2001 nicht die CDU vom Vertrauensverlust der SPD, sondern die rechtspopulistische "Schill"-Partei. Doch zwei Jahre später wird die CDU als politisch kompetenteste Partei eingeschätzt und Ole von Beust reiht sich in die Reihe der legendären Bürgermeisterpersönlichkeiten der SPD ein.

Diese politische Stimmung ist kein bloßer Reflex der allgemeinen politischen Großwetterlage. Sie ist das Resultat der Bewertung der politischen Situation und des Zustandes der Parteien vor Ort. Bei einer Bundestagswahl nämlich erhielte die SPD derzeit mehr, die CDU deutlich weniger Stimmen als bei einer Bürgerschaftswahl.

Unmittelbar nach dem Bruch der bisherigen Hamburger Senatskoalition aus CDU, "Schill"-Partei und FDP, der von der überwiegenden Mehrheit der Hamburger (87 %) begrüßt wird, ist die politische Stimmung in der Freien und Hansestadt für die CDU also extrem günstig. Fänden die Neuwahlen der Bürgerschaft jetzt statt, würde die CDU die absolute Mehrheit der Mandate erringen. Die SPD würde das mit Abstand schlechteste Ergebnis in ihrer einstmaligen Hochburg erzielen.

Allerdings ist die Bürgerschaftswahl Ende Februar 2004 noch nicht entschieden; denn fast 40 Prozent sind trotz aller Wertschätzung für von Beust und die CDU noch unentschieden, ob sie an der Bürgerschaftswahl teilnehmen bzw. welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen, falls sie zur Wahl gingen.

Politische Stimmung in Hamburg nach dem Bruch der Koalition aus CDU, FDP

BürgerschaftswahlabsichtBundestagswahlabsicht
%%
SPD3135
CDU4639
GAL1317
FDP45
"Schill"-Partei3-
Sonstige34

Während die Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse der Wahlbürger bei den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen zu Beginn dieses Jahres noch stark vom bundespolitischen Geschehen überlagert waren, spielt für die Hamburger die Bundespolitik im Hinblick auf die kommende Bürgerschaftswahl eher eine untergeordnete Rolle.

Einfluss auf das Wahlverhalten

Deutschland insgesamtHamburg
%%
insgesamt2465
Anhänger der SPD2468
CDU2958
GAL1178
FDP1383

Die für die CDU günstige politische Stimmung in Hamburg ist in erster Linie auf das positive Urteil über den Ersten Bürgermeister Ole von Beust zurückzuführen. Mit seiner bisherigen Arbeit sind ungewöhnlich viele Hamburger (70 %) zufrieden. Bei der Beurteilung der Arbeit der Senatskoalition insgesamt überwiegen hingegen die kritischen Stimmen.

Zufriedenheit mit der Arbeit des Senats und des Ersten Bürgermeisters

Es sind ....… mit der Arbeit des Senats… mit der Arbeit des Ersten Bürgermeisters
%%
zufrieden3670
nicht zufrieden6430

Könnten die Hamburger ihren Ersten Bürgermeister direkt wählen, dann würde sich eine klare Mehrheit für Ole von Beust, nur eine Minderheit für den SPD-Spitzenkandidaten Thomas Mirow entscheiden.

Bürgermeisterpräferenzen

Es würden sich entscheiden für:20042001
%%
Ole von Beust6136
Thomas Mirow22-
Ortwin Runde-43
keinen von beiden1721

Selbst von den SPD-Anhängern würden sich mehr (47 %) für von Beust als für Mirow (41 %) entscheiden.

Dass die Hamburger klar zwischen den unterschiedlichen Politikebenen unterscheiden, zeigt sich auch daran, dass bei den Kanzlerpräferenzen (Schröder im Vergleich mit Merkel oder Stoiber) anders als von Beust bei den Bürgermeisterpräferenz sowohl Merkel als auch Stoiber hinter Schröder liegen. Und Schröders Rückhalt bei den SPD-Anhängern ist, anders als der von Mirow, ähnlich groß wie der von Beust bei den CDUSympathisanten.

Bürgermeister- und Kanzlerpräferenzen

Es würden sich entscheiden für:insgesamtAnhänger derCDUSPD
%%%
Ole von Beust619347
Angela Merkel376410
Edmund Stoiber25428
Thomas Mirow22441
Gerhard Schröder (vs. Merkel)452183
Gerhard Schröder (vs. Stoiber)472685

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