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Gabriele Pauli: Die Rebellin verlässt die CSU

Gabriele Pauli hat maßgeblich zum Sturz von Edmund Stoiber beigetragen. Nun gibt die umstrittene Fürther Landrätin ihren Partei-Austritt bekannt. Es gehe um die Art und Weise, wie die Partei mit ihr umgehe, sagte sie. Der Führungsriege warf sie Respektlosigkeit und Intoleranz vor.

Die Fürther Landrätin und CSU-Rebellin Gabriele Pauli verlässt die Partei. "Ich trete aus der CSU aus", sagte die Politikerin der Zeitschrift "Vanity Fair". "Mein Austritt ist die Konsequenz des vergangenen Jahres", erklärte Pauli, die maßgeblich zum Sturz des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber beigetragen hatte. In dem Interview äußerte sie sich erzürnt über die Profiteure der von ihr angezettelten Parteirevolte.

"Ich gehe nicht, weil ich die Wahl zur Parteivorsitzenden verloren habe, sondern wegen der Art und Weise, wie man sich mir gegenüber verhalten hat." Da der neue Parteivorsitzende Erwin Huber seit Monaten nicht auf sie zugekommen oder auf ihre Vorstellungen und Forderungen eingegangen sei, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Pauli hatte im Herbst erfolglos gegen Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer für den CSU-Vorsitz kandidiert.

"Die hatten Angst nicht mehr mithalten zu können"

Sie warf zum Abschied aus der Partei, die sie mit Fotos in Latexhandschuh und mit politischen Vorschlägen zu einer Ehe auf Zeit immer wieder gereizt hatte, der jetzigen Führung Intoleranz vor. "Diese Herren haben keinen Respekt und keine Scheu, meine Meinung zu unterdrücken." Sie fühle sich zudem vom neuen Ministerpräsidenten Günther Beckstein ausgenutzt. "Auch Beckstein war nicht damit einverstanden, dass er (Stoiber) noch einmal antritt".

Außerdem hätten die Männer an der Parteispitze nach wie vor mit ihrer Rolle als Frau Probleme. "Natürlich ist es für die Herren von der CSU leichter mit Frauen, die sich unterordnen", sagte sie. "Mit mir hatten sie es schwerer. Die hatten Angst, nicht mehr mithalten zu können. Wenn man nicht nur Kompetenz, sondern auch Ausstrahlung hat, dann verunsichert das."

Pauli bleibt politisch aktiv

Die Politikerin, die zur nächsten Landratswahl nicht mehr antritt, will sich allerdings auch außerhalb der CSU weiter politisch betätigen. "Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, dass sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen."

Die bayerischen Grünen zeigen sich offen für die Landrätin. "Wenn sie bei einer Partei eintreten will, die keine Probleme mit modernen Frauen hat und über eine offene Diskussionskultur verfügt, ist sie bei uns herzlich willkommen", sagte der bayerische Grünen-Sprecher Alexander Burger. Die Partei werde aber nicht aktiv um sie werben. "Wir werden ihr jetzt kein Aufnahmeformular zuschicken, tun das aber gerne falls sie Interesse signalisiert."

Pauli hatte Ende vergangenen Jahres das Ende der Ära Stoiber eingeleitet als sie der Staatskanzlei vorwarf, ihr Privatleben auszuspionieren. Ihrer Forderung nach einem Rückzug Stoibers schlossen sich wenig später auch Teile der CSU-Landtagsfraktion an. Stoiber kündigte schließlich Mitte Januar seinen Rücktritt zu Ende September an.

AP/Reuters / AP / Reuters