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Gewalt, Raub, Sexualdelikte: So gefährlich sind Berlins U-Bahnhöfe – ein bekannter ist auf Platz eins

Wie gefährlich sind Berliner U-Bahnen wirklich? Das wollte ein SPD-Abgeordneter vom Senat in der Hauptstadt wissen. Nun liegt die Antwort vor – und sie fällt trotz großflächiger Videoüberwachung ernüchternd aus.

Mehrere Polizisten in Westen begleiten einen schwarz gekleideten Mann

Die Sexualdelikte in Berliner U-Bahnen haben sich seit 2013 vervierfacht

DPA

Obwohl fast alle Berliner U-Bahnen sowie sämtliche Bahnhöfe mit Kameratechnik ausgestattet sind, ist die Zahl von Straftaten dort 2017 erneut angestiegen. Wurden 2013 noch etwas über 1500 Körperverletzungen registriert, waren es fünf Jahre später schon knapp 1900. Das sind etwa fünf pro Tag. Besonders erschreckend ist die Entwicklung bei Sexualdelikten. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl von 36 (2013) auf 125 (2017) Straftaten fast vervierfacht. Und das sind nur die registrierten Fälle.

Die alarmierenden Zahlen stammen aus einer Antwort des Berliner Senats auf die Anfrage des SPD-Politikers Sven Kohlmeier. Dieser hatte Anfang Mai in einer schriftlichen Anfrage verschiedene Fragen zur Sicherheit im Berliner ÖPNV gestellt. Nun liegt die ernüchternde Antwort vor. Hier können Sie das komplette Dokument einsehen.

Am Alexanderplatz ist es am gefährlichsten

Doch es gibt auch gute News: Während die Anzahl von Raub-Delikten (2017: 225), Beleidigung (2017: 393) oder Sachbeschädigung (2017: 1768) in und an Berliner U-Bahnen in den letzten fünf Jahren nahezu unverändert geblieben ist, ist die Anzahl von Taschendiebstählen massiv zurückgegangen. 2016 wurden noch rund 10.000 Fälle registriert. Letztes Jahr waren es noch etwas unter 5000. Die vom Senat herausgegebenen Zahlen zeigen außerdem, in welchen U-Bahnstationen besonders viele Straftaten verübt werden. Spitzenreiter mit über 180 Straftaten im vergangenen Jahr ist der U-Bahnhof Alexanderplatz in Berlin-Mitte. Besonders pikant: Dort ist ein Anstieg von rund 50 Prozent zu verzeichnen. Danach folgen die U-Bahnhöfe Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg und die Station Herrmannplatz in Neukölln.

"Mehr Personal auf den Bahnhöfen!"

Die Zahlen stellen den Berliner Verkehrsbetrieben kein gutes Zeugnis aus – und das, obwohl die BVG nach eigenen Angaben ihr Sicherheitspersonal konsequent ausbaut. Auch die weitreichende und viel kritisierte Videoüberwachung mit HD-Kameras und Gesichtserkennung wird immer mehr eingesetzt. Verhindern konnten diese Maßnahmen offenbar nur Taschendiebstähle. SPD-Politiker Sven Kohlmeier hat deshalb eine ungewöhnliche Forderung. Um den starken Anstieg von Straftaten einzudämmen, will er statt mehr Kameras mehr Personal auf den Bahnhöfen. Auf seiner Homepage erklärt er seine Forderung wie folgt: "Sicherheit gibt es nur mit Personal auf den Bahnhöfen, so wie früher. Angesichts der guten Berliner Haushaltshaltslage halte ich das auch für finanzierbar. Das Personal kann zudem Auskünfte erteilen, Fahrkarten verkaufen und Ansprechpartner sein. Und ein Lächeln ist vielleicht auch drin."

Und was sagt die BVG?

Der "Bild"-Zeitung erklärte BVG-Sprecherin Petra Reetz, dass auch die Zahl der Menschen, die die Berliner U-Bahn nutzen, gestiegen sei. Seit 2013 um rund 64 Millionen Fahrgäste. Man müsste mehr als 880 Jahre täglich fahren, um statistisch gesehen Opfer einer physischen Straftat zu werden, so die BVG-Mitarbeiterin zur "Bild".

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hh