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Grünen-Chef zum Burka-Verbot "Wahre Probleme lösen anstatt pauschalisieren"


Keine Symbol-Debatten: Der Grünen-Chef Cem Özdemir hat davor gewarnt, den Streit um das Burka-Verbot pauschal auf Muslime zu übertragen. Zudem löse die Debatte keine wichtigen praktischen Probleme, wie die Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat davor gewarnt, die einhellige Ablehnung von Vollverschleierungen im öffentlichen Dienst pauschal auf Zuwanderer mit muslimischen Hintergrund zu übertragen. Es sei zweifelhaft, die Burka als religiöses Gebot auszulegen, sagte Özdemir am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Man solle aber aus einem Einzelfall keine Symboldebatte konstruieren, die an den wahren Problemen vorbeigehe. "Mit einem Burkaverbot behebt man jedenfalls nicht die Bildungsbenachteiligung vieler Migrantenkinder."

Özdemir bezog sich auf den Fall einer Angestellten der Frankfurter Stadtverwaltung, die nach einer Babypause nur mit Burka im Bürgeramt arbeiten wollte. Dies lehnte die Stadtverwaltung ab. Das hessische Innenministerium erließ am Dienstag einen Erlass, der Beamten das Tragen einer Burka im öffentlichen Dienst verbietet. "Da Beschäftigte des öffentlichen Dienstes grundsätzlich die Verpflichtung zur religiösen und politischen Neutralität haben, ist das Tragen der Burka während des Dienstes nicht akzeptabel", hatte Hessens Innenminister Boris Rhein erklärt.

Auch Özdemir sagte: "Eine Vollverschleierung in der öffentlichen Verwaltung kann ich nicht gutheißen, und sie wird auch von der übergroßen Mehrheit der Muslime abgelehnt." Eine vertrauensvolle Kommunikation sei kaum möglich, wenn man sein Gegenüber nicht ins Gesicht sehen könne.

Reuters Reuters

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