HOME

Rückzug: Grüner beleidigt Juden und Muslime mit Beschneidungsgedicht

Ein Grünen-Landtagskandidat hat Juden und Muslime, die an der Beschneidung festhalten, als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker" bezeichnet. Es hagelte Kritik. Jetzt zieht er Konsequenzen.

Der niedersächsische Grünen-Landtagskandidat Ulf Dunkel zieht Konsequenzen aus der scharfen Kritik an seinem abfälligen Gedicht zur Beschneidung bei Juden und Muslimen. Er wolle im Fall eines Wahlsiegs auf sein Mandat verzichten, sagte Michael Jäger vom Grünen-Kreisverband Cloppenburg am Montag der Nachrichtenagentur DPA. Dunkel reagiere damit auf Forderungen des Zentralrats der Juden und des Landesvorstands der Grünen. "Formal ist nichts anderes mehr zu tun", erläuterte Jäger. Da die Wahlzettel schon gedruckt seien und die Briefwahl begonnen habe, könne Dunkel nicht mehr auf seine Kandidatur verzichten. Da er auf Listenplatz 34 stehe, habe er aber ohnehin keine großen Chancen auf ein Mandat.

"Das Machwerk von Herrn (Ulf) Dunkel strotzt nur so vor hasserfülltem Hochmut gegenüber Juden und Muslimen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe) mit Blick auf ein Gedicht Dunkels. Graumann forderte die Grünen auf, Dunkel zurechtzuweisen und seine Kandidatur zurückzuziehen.

In einem im Internet verbreiteten Gedicht bezeichnete Dunkel Juden und Muslime, die an der Beschneidung von Neugeborenen festhalten, als "Arschlöcher" und "blinde Fanatiker". In einem anderen Gedicht schrieb er: "Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied." Der Software-Unternehmer steht bei der Landtagswahl am 20. Januar auf Listenplatz 34 der Grünen und ist ihr Direktkandidat im Wahlkreis Cloppenburg.

Die Grünen distanzierten sich von ihrem Kandidaten. In der Beschneidungsdebatte sei es "aufgrund der hohen Sensibilität dieser Thematik" wichtig, eine "klare Abgrenzung gegenüber antisemitischen und fremdenfeindlichen Einstellungen" zu wahren, erklärten die niedersächsischen Landesvorsitzenden Anja Piel und Jan Haude auf Anfrage der "SZ". "Wir akzeptieren derartige Äußerungen in unseren Reihen nicht."

ger/AFP / AFP