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Gewagter Plan: Günter Wallraff - der Mann, der IS-Geisel sein wollte

Verdeckte Recherchen sind seit jeher sein Metier. Nun wollte Günter Wallraff, unter anderem als "der Mann, der bei Bild Hans Esser war" berühmt geworden, für einen US-Amerikaner zur Austauschgeisel beim IS werden. Daraus wurde aber nichts.

Günter Wallraff gestikuliert mit seiner linken Hand

Bot sich als Austauschgeisel beim Islamischen Staat für einen US-Amerikaner an: Günter Wallraff

Der Journalist Günter Wallraff hat sich der US-Regierung nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr als eine Art "Austauschgeisel" angeboten. Er wollte sich für den von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien entführten früheren amerikanischen Soldaten Peter Kassig, der eine Hilfsorganisation für Opfer des Kriegs in Syrien gegründet hatte, in die Gewalt der Islamisten begeben. Das sagte Wallraff dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung".

"Ich suchte Kontakt zur US-Botschaft und bot denen an, dass ich mich gegen ihn austauschen lasse", sagte Wallraff dem Blatt. Es sei sogar zu einem Treffen mit einem Vertreter der Botschaft gekommen.

USA lehnten aus Sicherheitsgründen ab

Dieser habe ihm aber klar gemacht, dass ein Austausch für die USA nicht in Frage käme - nicht zuletzt wegen des Risikos für Wallraff. Der Botschaftsmann habe keine Überlebenschance für den Schriftsteller gesehen. "Ich sagte, dass ich das anders sehe", entgegnete Wallraff laut "SZ-Magazin". "Das würde die doch beschämen, dass einer freiwillig dahin geht, auch noch ein Älterer. Ich habe mir ein Drittel Überlebenschancen gegeben." Nach zwei Wochen kam die endgültige Absage der US-Botschaft. Kassig wurde im November 2014 vom IS getötet.

Auch auf sein Angebot, ein vom IS gefordertes Lösegeld mit Spenden und eigenen Mitteln aufzubringen, habe die US-Regierung abgelehnt, sagte Wallraff weiter. "Inzwischen habe ich erfahren, dass die Amerikaner aus Prinzip kein Lösegeld zahlen und sogar Angehörige juristisch gezwungen haben, es zu unterlassen, das Lösegeld privat aufzubringen.", so Wallraff.

Der 73-Jährige ist seit Jahrzehnten engagiert, gesellschaftliche Missstände aufzudecken. Dafür schlüpfte er in verschiedene Rollen, um verdeckt zu recherchieren. Seine Erkenntnisse veröffentlicht er vor allem in Büchern und in TV-Magazinen.

dho/mit AFP
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