HOME

Hamburg: Naumann neuer SPD-Spitzenkandidat

Nach langem und quälendem Hin und Her hat die Hamburger SPD nun einen Spitzenkandidaten gefunden: Michael Naumann, Mitherausgeber der "Zeit", soll bei der Wahl 2008 Bürgermeister Ole von Beust herausfordern.

Nach wochenlangen Personal-Querelen will die Hamburger SPD den früheren Kulturstaatsminister und "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann ins Rennen um das Bürgermeisteramt im kommenden Jahr schicken. Einen entsprechenden Vorschlag habe die Findungskommission der Landes-SPD einstimmig getroffen, teilte die Partei am Mittwoch mit. Landesvorsitzender soll der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ingo Egloff werden. Beide müssen noch von einem Parteitag am 24. März offiziell nominiert werden. SPD-Chef Kurt Beck betonte, Naumann sei der richtige Mann für Hamburg. Mit der überraschenden Entscheidung für den 65-Jährigen scheint ein Ende der wochenlangen Krise der SPD in der Hansestadt absehbar.

Naumann ist Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Zudem war der Publizist von 1998 bis 2000 im ersten Kabinett Schröder zuständig für Kultur, ab 1999 im Rang eines Kulturstaatsministers. Weitere Einzelheiten zum Hintergrund der Entscheidung wollte die Partei zunächst nicht nennen. SPD-Sprecher Bülent Ciftlik verwies auf eine Pressekonferenz. Dann soll Naumann offiziell vorgestellt werden. Die Hamburger SPD befindet sich seit Wochen in einer Krise. Mit dem Vorschlag für Naumann könnte das aufreibende Tauziehen um die Spitzenkandidatur enden.

Der SPD-Landesvorstand war in der vergangenen Woche geschlossen zurückgetreten. Bei einer Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl 2008 waren zuvor rund 1.000 Briefwahlzettel verschwunden. Seither ermittelt die Polizei. Der Hamburger SPD-Landesvorsitzende Mathias Petersen hatte danach auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz und eine Spitzenkandidatur für 2008 verzichtet. Er ist noch kommissarisch im Amt. Nach Ex-Bürgermeister Henning Voscherau hatte auch der Hamburger SPD-Fraktionschef Michael Neumann laut Tageszeitung "Die Welt" klar gemacht, dass er nicht antreten wolle. Dies habe er der Findungskommission mitgeteilt. Zur Begründung habe er gesagt, es sei nie sein Ziel gewesen, Bürgermeister zu werden. Am Montagabend hatte bereits Voscherau erklärt, er wolle nicht als Herausforderer von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) aufgestellt werden.

SPD-Spitze mit Vorschlag zufrieden

SPD-Chef Beck und Generalsekretär Hubertus Heil betonten, Naumann sei der richtige Mann für Hamburg. "Wir begrüßen seine Bereitschaft, als Spitzenkandidat der Hamburger SPD anzutreten, um mit den Freunden in Hamburg die Bürgerschaftswahl zu gewinnen und Verantwortung für seine Stadt zu übernehmen." Die Hamburger SPD habe den Weg aus ihrer schwierigen Situation aus eigener Kraft gefunden. Zuletzt hatte die Bundesspitze der Sozialdemokraten verstärkt Druck auf den Hamburger Landesverband ausgeübt und darauf gedrängt, die Führungskrise so rasch wie möglich zu lösen. Die scheidende stellvertretende Landesvorsitzende Dorothee Stapelfeldt sagte, die SPD trete mit einem starken Team an. Hamburg brauche Alternativen zum CDU-Senat.

AP / AP