VG-Wort Pixel

Vorwürfe gegen NDR Helge Lindh: Hofberichterstattung darf es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht geben

Helge Lindh von der SPD
Helge Lindh von der SPD
© Kay Nietfeld / DPA
Seit Tagen wird der NDR in Kiel von Berichten über politische Einflussnahme auf die Berichterstattung erschüttert. Auch aus der Politik gibt es dazu scharfe Reaktionen.

Seit Tagen kommen durch Recherchen des stern immer mehr Vorwürfe gegen redaktionelle Verantwortliche des NDR in Kiel ans Licht. Im Kern geht es um die Frage, ob diese die Berichterstattung von Kollegen gezielt beeinflusst haben könnten. Die Rede war auch von einem politischen Filter.

Am Donnerstag erreichte der NDR-Skandal auch die bundespolitische Ebene. Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Helge Lindh, forderte im stern "lückenlose Aufklärung". Auch der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein,  Daniel Günther (CDU), müsse sich zu den Vorgängen äußern. "Wenn sich die gegen den NDR erhobenen Vorwürfe erhärten, wäre dies eine massive Verletzung journalistischer Standards", sagte Lindh. Die Empörung und Fassungslosigkeit der Moderatoren und Mitarbeitenden des NDR sei "sehr berechtigt", so der SPD-Politiker. "Durch das Fehlverhalten einzelner in Leitungsfunktion wird auch ihre gute Arbeit beschmutzt."

Einen politischen Filter oder gar eine Hofberichterstattung dürfe es in einer Redaktion einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt nicht geben. Die journalistische Freiheit sei "nicht nur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber vor allem dort, ein hohes Gut", das nicht aufgrund persönlicher Verflechtungen verletzt werden dürfe.

NDR in Kiel: Chefs lassen Ämter ruhen

Bei dem Fall geht es um Vorwürfe im Zusammenhang mit der Politik-Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen ARD-Senders. Das Online-Medium "Business Insider" und danach der stern hatten über Vorwürfe berichtet, wonach es eine Art Filter durch die Vorgesetzten in der Redaktion geben könnte. Dabei ging es beispielsweise um ein Interview, das ein NDR-Journalist habe führen wollen, was seine Vorgesetzten aber abgelehnt hätten.

Chefredakteur Norbert Lorentzen und auch der NDR hatten den Vorwurf von politischer Einflussnahme zurückgewiesen. Seit Mittwoch lassen Lorentzen und die Chefin des medienübergreifenden Ressorts Politik und Investigation, Julia Stein, ihre Ämter ruhen, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien.

jsp / fin

Mehr zum Thema

Newsticker