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Weg zur Herdenimmunität 500 Euro für einen Piks? Politik und Experten diskutieren über Impfanreize

Ein Mann trägt nach der Impfung ein Pflaster auf dem Oberarm
Das Impftempo lässt nach, die Delta-Variante setzt sich durch – jetzt wird nach zusätzlicher Motivation für Impfungen gesucht
© Fabian Sommer / DPA
Wie lassen sich mehr Menschen zur Impfung gegen Covid-19 bewegen? Denkbar sind Belohnungen, wie sie in anderen Ländern längst üblich sind – vom Millionengewinn bis zum Freibier. 

Die Impfkampagne in Deutschland geht voran: Schon deutlich mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung hat mindestens eine Impfdosis gegen Covid-19 erhalten, mehr als 42 Prozent sind bereits voll geimpft. Doch im Wettlauf gegen die Zeit und insbesondere die besonders ansteckende Delta-Variante droht Deutschland erneut ins Hintertreffen zu geraten. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten um die 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein.

Das Impftempo lässt immer stärker nach: Statt bis zu einer Million Menschen täglich wurden Anfang Juli deutlich weniger Personen pro Tag geimpft. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Manche Menschen wissen gar nicht, dass sie geimpft werden können, andere wollen sich (noch) nicht impfen lassen, wieder andere sagen ihre Impftermine ab und genießen lieber das Sommerwetter. Politik und Experten diskutieren deshalb über zusätzliche Impfanreize für Bürger:innen, denen der medizinische Schutz vor Covid-19 durch die Impfung nicht verlockend genug erscheint.

Ökonomin schlägt 500 Euro Belohnung für Impfung vor

Man müsse "den Menschen mehr anbieten", sagte zum Beispiel die Ökonomin Nora Szech im Deutschlandfunk und sprach sich für eine "Entschädigung" von 500 Euro aus. Diese Zahlungen sollten rückwirkend auch an alle jetzt schon Geimpften geleistet werden. Während finanzielle Anreize das wohl offensichtlichste Lockmittel sind, sind auch andere Belohnungen für Impfwillige denkbar: Museumstickets oder auch nur ein eher symbolisches Freigetränk beispielsweise.

Andere Länder haben diese Ideen längst umgesetzt. Israel beispielsweise impfte auch in Bars und Nachtclubs, um junge Menschen zu erreichen – die bekamen zu ihrer Impfung gleich ein nichtalkoholisches Getränk. Die USA locken mit Donuts oder gar Waffen, auch Chancen auf einen richtig großen Gewinn gibt es: Einige Bundesstaaten veranstalten eine Impflotterie, in der unter allen Menschen, die ihre erste Impfdosis bekommen, eine Million Dollar verlost wird. In Griechenland bekommen junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren 150 Euro für ihre Impfung, ein sogenanntes "Freiheitsticket" als Anerkennung für ihre Einschränkungen in der Pandemie.

Bevölkerung steht finanziellen Anreizen kritisch gegenüber

In Deutschland gilt weiterhin: Wer sich impfen lassen möchte, tut dies für die Allgemeinheit und zu seinem eigenen Schutz. Anreize werden höchstens subtil in Form von Lockerungen für Geimpfte gesetzt. Politiker äußern sich zu weitergehenden Maßnahmen noch skeptisch. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach setzt eher darauf, "sehr kreativ" die Menschen mit Impfangeboten zu erreichen, etwa in Shishabars, wie er in der ZDF-Sendung "Maybritt Illner" vorschlug. Sein Parteikollege Carsten Schneider sieht den "höchsten Anreiz" darin, dass Kindern geholfen werde, "im Herbst wieder in die Schule gehen zu können und auch unser Wirtschaftsleben aufrecht zu erhalten".

Für den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans sind Impfanreize "definitiv eine Option", sagte er dem ZDF-"Morgenmagazin" – zum Beispiel eine Verlosung unter den Impfwilligen. In der Bevölkerung ist die Skepsis allerdings ebenfalls groß. In Deutschland sprachen sich laut einer Umfrage der European Covid Survey nur 24 Prozent für einen Geldbetrag und 21 Prozent für einen Essensgutschein als Anreiz aus.

Quellen: Deutschlandfunk / "Maybritt Illner" / "Morgenmagazin" / WDR / DPA


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