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Innenminister Schäuble: "RAF war arrogante Mörderbande"

Innenminister Schäuble rechnet mit der RAF ab. Sie seien eine "terroristische Mörderbande" gewesen, arrogant und selbstgerecht, sagte Schäuble in einem Interview. Er fordert die ehemaligen Terroristen auf, bei der Aufklärung der Morde zu helfen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die ehemaligen RAF-Mitglieder zur Mithilfe bei der Aufklärung der RAF-Morde aufgefordert. Der "Bild"-Zeitung sagte der CDU-Politiker, viele hinterbliebene Frauen und Kinder würden bis heute nicht die Namen der Mörder ihrer Männer und Väter kennen. "Daher kann auch 30 Jahre nach dem deutschen Herbst kein Schlussstrich unter den Terror von links gezogen werden. Zumindest müssen die Täter alles Menschenmögliche zur Aufklärung der damaligen Gräueltaten beitragen - was bis heute immer noch nicht geschehen ist."

Zugleich griff Schäuble die RAF-Terroristen mit scharfen Worten an: "Die RAF war eine terroristische Mörderbande. Ihr Wahn von der sozialistischen Gesellschaft endete in der kaltblütigen Ermordung unschuldiger Menschen." Neben Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft seien den Mördern vor allem Familienväter aus kleinen Verhältnissen zum Opfer gefallen. "Sie waren den arroganten, verwöhnten und selbstgerechten Bürgersöhnen und Bürgertöchtern, die in der RAF eine erbärmliche Plattform zum Ausleben ihrer menschenfeindlichen Gewaltobsessionen fanden, schutzlos ausgeliefert."

Im Jahr 1977 waren unter anderem Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und der Bankier Jürgen Ponto von der RAF ermordet worden. Bundespräsident Horst Köhler prüft derzeit ein Begnadigungsgesuch des ehemaligen RAF-Mitglieds Christian Klar. Klars Mitstreiterin Brigitte Mohnhaupt wird Ende März nach Verbüßung der Mindesthaftzeit von 24 Jahren auf Bewährung freikommen. Sie und Klar waren unter anderem wegen Beteiligung an den Ermordungen von Buback, Ponto und Schleyer verurteilt worden.

Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber unterstützte Schäubles Forderung. "Bei den Terroristen der RAF fragen viele Menschen zu Recht, ob dieser Staat Mörder freilassen darf, während bis heute RAF-Anschläge nicht aufgeklärt sind", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Passauer Neuen Presse". "Der Staat sollte den Terroristen nicht entgegenkommen, wenn diese Täter nicht bei der Aufklärung des RAF-Terrors mithelfen, sich nicht klar von ihren Taten distanzieren und keine Zeichen der Reue zeigen."

DPA/Reuters / DPA / Reuters