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Irmela Mensah-Schramm 70-Jährige entfernt seit 30 Jahren rechte Schmierereien - nun steht sie vor Gericht

Irmela Mensah-Schramm entfernt seit 30 Jahren rechte Parolen und Nazi-Schmierereien aus dem öffentlichen Raum. Nun hat sie juristischen Ärger, weil sie ein "Merkel muß weg"-Grafitto übermalt hat.

Seit rund 30 Jahren entfernt Irmela Mensah-Schramm rechte Schmierereien und Nazi-Symbole aus dem öffentlichen Raum. Ausgestattet mit einem Jutebeutel, auf dem "Gegen Nazis" steht, zieht sie durch Deutschland. Nagellackentferner, Ceranschaber und Lappen sind immer dabei. Auch Spraydosen gehören zu ihrem Arsenal, denn was zu hartnäckig ist, wird kurzerhand übergesprüht.

So geschehen auch im Mai dieses Jahres. In einem Fußgängertunnel in Berlin Zehlendorf machte sie aus dem Schriftzug "Merkel muß weg" "Merke! Hass weg!". Dabei wurde sie beobachtet, jemand rief die Polizei und gegen sie wurde Anzeige erstattet. Laut Strafbefehlt sollte sie 450 Euro wegen Sachbeschädigung bezahlen. Doch sie legte Berufung ein. Nun kam es zur Verhandlung, wie "rbb-online" berichtet.

Demnach wurde sie nicht das erste Mal angezeigt, doch erstmals wurde es wirklich ernst. Die Staatsanwältin habe 1800 Geldstrafe gefordert, weil sie das Graffito noch größer gemacht habe und keine Reue zeige. Die rüstige alte Dame, die sich selbst verteidigte, habe entgegnet, dass ja sonst niemand was dagegen unternehme. Der Richter sprach dem Bericht zufolge eine Verwarnung aus, Mensah-Schramm muss die Verfahrenskosten tragen. Außerdem ist sie ein Jahr auf Bewährung. Verstößt sie gegen die Auflagen, werden die 1800 Euro fällig.

Irmela Mensah-Schramm katalogisiert ihre Säuberungen

Rund 100.000 rechte Schmierereien will die 70-Jährige bereits entfernt haben. Die Sticker katalogisiere sie bei sich zu Hause in Ordnern. Die ehemalige Erzieherin und Heilpädagogin an einer Berliner Schule für geistig Behinderte wurde 2015 für ihren Einsatz mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet. Ihr sei irgendwann klar geworden, dass Hass-Sprüche nicht dadurch verschwinden, dass man sich über sie ärgere, sagte die als "Polit-Putze" bekanntgewordene Frau damals.
Die Wand mit dem von ihr veränderten Graffito wurde laut "rbb-online" wenige Wochen nach ihrer Aktion gänzlich übermalt. 

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