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Koalitions-Pläne: Zusammen geduscht wird nach der Wahl

Sieben Minuten sind es noch bis zum Ende des Spiels, sagt Franz Müntefering über den Wahlkampf. Doch schon jetzt wird über die Zeit danach heftig gestritten: über eine große Koalition etwa und bei der Opposition darüber, wie sie den Wahlkampf zu gestalten habe.

In rund einem Monat sind Bundestagswahlen und die derzeitige Stimmung zwischen den Parteien ist derart verdorben, dass Zweifel aufkommen, ob nach der Wahl überhaupt noch zwei Partner zueinander finden, die sich das Bett der Koalitions-Ehe teilen wollen. Die CDU mosert über die FDP, die FDP schnauzt zurück, die Grünen jammern über die SPD, die schon Pläne für eine große Koalition schmieden, die aber eigentlich niemand wünscht.

Der Reihe nach: Am Wochenende haben führende SPD-Köpfe, namentlich Wolfgang Clement, Hans Eichel und Peer Steinbrück eine große Koalition in Erwägung gezogen, zumindest aber nicht verteufelt. Am Montag ist auch Otto Schily dazu gestoßen und hat ein Zusammengehen von CDU und SPD als "Option" bezeichnet, der man sich nicht verschließen dürfe.

"Der dümmste gemeinsame Nenner"

Solche Überlegungen kommen beim grünen Noch-Koalitionspartner nicht sonderlich gut an. "Eine Elefantenhochzeit aus Union und SPD ist der dümmste gemeinsame Nenner", sagt etwa die Grünen-Fraktionsvorsitzende Krista Sager. Und Grünen-Chef Reinhard Bütikofer bezeichnet die Überlegungen in der SPD als "Beweis für die Orientierungslosigkeit maßgeblicher Sozialdemokraten". Verständliche Bedenken, wäre die Partei schließlich der größte Verlierer bei dieser Konstellation.

Allerdings tut sich die SPD mit der Debatte ebenfalls kein Gefallen, wie Manfred Güllner, Chef des Meinungsinstituts Forsa glaubt. "Wenn die SPD von einer großen Koalition spricht, dann heißt das ja, dass sie sich schon als Wahlverlierer sieht", so Güllner zur Nachrichtenagentur Reuters. "Das zementiert das Bild einer schwachen SPD." Dazu kommt, dass Wähler im Zwischenbereich von SPD und Grünen, dann sicherheitshalber zu den Grünen gingen, weil sie eine große Koalition mit einer Kanzlerin Merkel nicht mitwählen wollten.

Weil also diese "Scheißdebatte", wie sie der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs nennt, den wie auch immer gearteten Wahlerfolg der Sozialdemokraten gefährden könnte, hat Kanzler Gerhard Schröder nun ein Machtwort sprechen lassen: "Der Kanzler hält das für wenig hilfreich in einem Wahlkampf, der ja gerade erst richtig begonnen hat", sagte Regierungssprecher Hans Langguth. Über die nächste Regierungskonstellation entscheide allein der Wähler. SPD-Chef Franz Müntefering hat das in etwas anschaulichere Worte gefasst: "Wir haben noch sieben Minuten Spielzeit. Und wir müssen in sieben Minuten zwei Tore schießen. Und wer jetzt anfängt darüber zu sprechen, wer nach dem Spiel mit wem duschen geht, oder wer beim nächsten Mal aufgestellt wird, der liegt völlig falsch."

Sieben Minuten müssen auch noch CDU und FDP spielen, und die möglichen Partner bezichtigen sich jeweils des Fouls. Angefangen hat Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach, als er sagte, er mache sich Sorgen um die FDP. "Die liegen irgendwo bei sechs Prozent. Die sollten sich mal ein bisschen mehr mit Rot-Grün auseinandersetzen, und ein bisschen weniger mit der Union. Dann ginge es denen auch wieder besser."

"Es gibt keinen Grund für eine Korrektur"

Das wiederum wollen die Liberalen nicht auf sich sitzen lassen und schimpfen zurück: "Es gibt keinen Grund für eine Korrektur", sagt FDP-Schatzmeister Hermann Otto Solms. Mit ihrer Kritik an der FDP wolle die Union nur von eigenen Problemen abgelenkt. Schließlich habe es nicht an der FDP gelegen, dass in der vergangenen Woche Unruhe entstanden sei, so Solms in Anspielung auf die Patzer von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel und den Streit um Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm. Und überhaupt: Schuld an den schlechten Umfrageergebnissen sei die Ferienzeit. Die sechs Prozent, so Solms, seien ein urlaubsbedingter "Ausreißer". Die anderen Umfragen sähen die FDP stabil "bei sieben und acht Prozent steigend".

nk