Kölner Groß-Moschee "Wir wollen einen deutschen Islam"


Zu türkisch, zu groß und zu unkontrollierbar ist die geplante Groß-Moschee nach Ansicht der Kölner CDU. Parteichef Walter Reinarz erklärt im stern.de-Interview, warum er das Projekt in dieser Form ablehnt.
Von Zacharias Zacharakis

Die CDU in Köln fordert, dass die Kuppel und die Minarette der geplanten Moschee in Höhe und Größe deutlich reduziert werden sollen. Eine Zustimmung zum Projekt wird sonst in Frage gestellt. Haben Sie Angst, dass Besucher der Stadt Köln von einer zu mächtigen Moschee empfangen werden könnten?

Unsere Absicht war von Anfang an, dass an dieser Stelle ein Ortseingangscharakter gewählt wird, das heißt eine Art Stadttor. Im Ergebnis des Architekturwettbewerbes ist festgehalten worden, dass der vorgelegte Entwurf von Architekt Paul Böhm von der Dimensionierung geringer ausfallen müsste, sowohl was die Kuppelhöhe als auch was die Minaretthöhe angeht. Die Ditib hat genau das Gegenteil getan und alles noch einmal aufgestockt. Die Dimensionierung ist dann irgendwann auch zu einer Symbolfrage geworden: Geht die Ditib jetzt auf die Stadtgesellschaft zu oder umgekehrt?

Es wird kritisiert, dass Paul Böhms Entwurf zu stark in der Tradition des osmanischen Moscheebaus steht. Wie bewerten sie die Ausführung insgesamt?

Ich finde, der Entwurf ist ansonsten architektonisch gelungen. Da ist nichts negativ. Ich würde auch einem katholischen Christen nicht verbieten, dass er ein Kreuz auf den Turm baut.

Der Träger der Moschee, die Ditib, steht in enger Verbindung zum türkischen Staat. Sie befürchten, dass nicht-türkische Muslime von dem Verein ausgeschlossen werden. Wie soll dies verhindert werden?

Verhindern wollen wir das über eine entsprechende vertragliche Regelung. Dieses Haus soll allen Muslimen offen stehen, wobei die bisherigen Gespräche mit der Ditib sehr hoffnungsvoll verlaufen sind. Wenn wir das irgendwo fixieren könnten, wäre das für mich ausreichend.

Kann man überhaupt eine indirekte Einflussnahme des türkischen Staats auf die Religionsausübung in Deutschland ausschließen?

Diese Frage hat uns lange beschäftigt. Das ist einerseits eine Gefahr, aber andererseits auch eine Chance. Weil die Ditib vom Staat geführt wird, verkörpert sie das heutige Staatsbild der Türkei. Insofern haben wir dadurch die Gewähr, dass nicht gerade fundamentalistische Züge in die Moscheegemeinde hineinkommen. Deshalb haben wir uns für die Ditib ausgesprochen.

Sie befürchten die Entstehung eines rein türkischen Viertels um den Moscheekomplex, da hier auch Einzelhandelsflächen ausgewiesen werden. Ist das in vielen Teilen Ehrenfelds und gerade an dieser Stelle nicht längst der Fall?

Ganz im Gegenteil: Ehrenfeld ist ein multikulturelles Viertel. Dort gibt es Italiener und Spanier und ganz viele Nationen. Wir würden gerne diese Vielfalt erhalten. Wenn ich Integration will, dann darf ich mich nicht abgrenzen. Der entscheidende Punkt ist, wenn vom türkischen Metzger über den türkischen Friseur und die türkische Versicherung bis zum Reisebüro alles vorhanden ist, muss man sich nicht mehr aus der Moschee herausbewegen und das Leben findet nur dort statt.

Die Predigt in der Moschee soll Ihrer Meinung nach in deutscher Sprache gehalten werden. Glauben Sie nicht, dass die Politik an dieser Stelle zu stark in das Recht auf Religionsausübung eingreift?

Zurzeit gibt es keine Imame, die eine Ausbildung haben, welche in Deutschland einer Kontrolle unterliegt. Mit allen anderen Kirchen ist das sichergestellt. Wir sind hier in Deutschland ja gerade erst dabei, einen Lehrstuhl in Tübingen zur Ausbildung von Imamen einzurichten. In der Übergangszeit soll es eine Übersetzung geben. Wir wollen, dass langfristig die Ausbildung unter deutscher Aufsicht stattfindet, damit sich wirklich ein deutscher Islam bilden kann.

Und die Ditib soll sich darauf einlassen?

Hier muss man sich so verbindlich erklären, dass ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt wird, an dem das umgesetzt wird.

Verhindern können Sie die Entscheidung für den Moscheebau im Rat trotz allem nicht. Die Stimmen der CDU werden dafür nicht benötigt.

Ich bin mir nicht ganz sicher, dass das Thema mit einer Entscheidung im Rat erledigt ist. Ich habe die Auffassung, dass weder der Ditib noch den politischen Parteien daran gelegen sein kann, die größte Fraktion, die auch sehr viele Menschen in dieser Stadt vertritt, in einem solchen Entscheidungsfindungs-Prozess außen vor zu lassen. Wir sind außerdem bis heute die einzige Partei, die einen offenen Dialog darüber mit ihren Mitgliedern geführt hat. Wenn einige wenige Mandatsträger die Entscheidung treffen, wird das der Sache nicht gerecht. Da ist ein Sprengstoff geliefert, der irgendwann zu Konflikten führen kann.

Ein Vertrag zwischen der Ditib und der Stadt Köln soll regeln, dass der Ruf des Muezzin nur im inneren des Gebäudes hörbar ist. Ist ein Vertragsschluss hierfür wirklich notwendig?

Wir wollen verbindliche Regeln aufstellen, an die sich alle halten. Viele haben Erwartungen, die nicht erfüllbar sein können. Das schlimmste an der Diskussion war die Unwissenheit vieler. Wenn der Oberbürgermeister und die Parteien erst aus der Presse erfahren, dass sich etwa die Einzelhandelsflächen verändern sollen, dann ist das nicht gut für die Akzeptanz eines solchen Projekts. Da hat die Ditib aber erheblich dazu gelernt.

Im Rahmen der Integration von Muslimen in Köln fordern Sie, dass die Ditib sich für einen gemeinsame Teilnahme von Jungen und Mädchen am Schwimmunterricht und an Klassenfahrten ausspricht.

Uns würde reichen, wenn die Ditib eine klare Aussage macht und das auch von ihren Mitgliedern einfordern würde. Sie kann das nicht überprüfen, sie kann das nicht persönlich einhalten, aber sie kann durch ihre Darstellung nach außen durchaus Vorbildfunktion haben. Das erwarten wir natürlich.


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