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Krankenversicherung: Viele Rentner zahlen drauf

Nach Monaten des erbitterten Streits: Wie CDU und CSU die Krankenversicherung reformieren wollen.

Es sollte die größte Sozialreform der vergangenen Jahrzehnte werden: Mit einer Kopfpauschale von 180 Euro je Erwachsenen wollte die CDU die Kosten der Gesundheit von denen der Arbeit abkoppeln. Sozial Schwächere sollten aus Steuermitteln unterstützt werden. Nach einem Jahr Streit mit der CSU ist nun das "solidarische Gesundheitsprämien-Modell" herausgekommen - eine typisch deutsche Reform: kompliziert, bürokratisch, unseriös finanziert.

Auf Drängen der CSU wurde die Pauschale kleingerechnet. Jeder erwachsene Kassenversicherte soll künftig eine "persönliche Gesundheitsprämie" von monatlich 109 Euro, höchstens jedoch sieben Prozent des Haushaltseinkommens zahlen. Da die Kassen aber durchschnittlich 169 Euro je Versicherten brauchen, wird die Prämie aus einem "Sondervermögen" aufgestockt. In diesen Fonds zahlen die Unternehmen den bisherigen Arbeitgeberbeitrag, der bei 6,5 Prozent des Bruttolohns festgeschrieben wird. So gelingt es nur zum Teil, die Gesundheitsausgaben von den Arbeitskosten zu entkoppeln. Kinder sollen auch künftig beitragsfrei mitversichert bleiben. Dies soll zum Teil aus der Steuerkasse finanziert werden. Deswegen will die Union den Spitzensteuersatz weniger als bisher versprochen senken - auf nur noch 39 statt auf 36 Prozent. Da die Steuersenkung sowieso unrealistisch war, handelt es sich allerdings um eine Luftbuchung.

Gravierende Folgen für Millionen Deutsche

Auch wenn das Prämienmodell weit weniger radikal ausfällt, so hätte es doch für Millionen Deutsche gravierende Folgen. Zu den klaren Gewinnern zählen vor allem Singles, die brutto mehr als 1600 Euro monatlich verdienen. Bei einem Gehalt von 3000 Euro würde der Kassenbeitrag um rund 100 Euro sinken. Zu den Verlierern gehören alle, die Nebeneinkünfte haben, für die bisher keine Kassenbeiträge gezahlt werden mussten. Denn bei der Berechnung der Belastungsgrenze von sieben Prozent des Haushaltseinkommens werden alle Einkünfte berücksichtigt, also auch Zinsen, Mieten und Pachten. Das trifft vor allem Rentner. Ein Seniorenpaar mit einer gemeinsamen Monatsrente von bis zu 2100 Euro und monatlich 1000 Euro Zinseinnahmen müsste jeden Monat 70 Euro mehr an die Krankenkasse überweisen als heute.

Lorenz Wolf-Doettinchem / print
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