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Kritik an Gesine Schwan: Linke-Chef Lafontaine schlägt zurück

Das wollte Oskar Lafontaine dann doch nicht auf sich sitzen lassen: Wenige Tage, nachdem SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan ihn als Demagogen bezeichnet hatte, holt der Linken-Chef zum Gegenangriff aus - und feuert Spitzen gegen die Uni-Rektorin.

Die Linke geht zunehmend auf Distanz zur SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan. Parteichef Oskar Lafontaine kritisierte in Berlin Äußerungen der Hochschulprofessorin, wonach die Linke keine Antworten auf die Fragen der Gegenwart habe. Die Kandidatin sei mit dieser Bemerkung "etwas aus der Zeit gefallen", sagte Lafontaine. Vielmehr bestimme seine Partei die Themen der Politik mit, die Konzepte der Linken würden Zug um Zug von anderen Parteien übernommen.

"Wenn man diejenigen, die einen wählen sollen, beschimpft, dann ist das eine charmante Form der Bewerbung", fügte Lafontaine scherzhaft hinzu. Zudem führte er an, dass die SPD mit der Wahl offenbar kein linkes Bündnis anstrebe. "Insofern können solche politischen Überlegungen auch nicht herangezogen werden bei unserer Entscheidung." Schwan kandidiere für eine Partei, "die dezidiert erklärt hat, sie möchte mit uns nichts zu tun haben". An Amtsinhaber Horst Köhler lobte Lafontaine, dass dieser die Finanzmärkte als Bedrohung für die Weltwirtschaft bezeichnet hatte.

Lafontaine bekräftigte, die Linke werde sich nach der Bayern-Wahl im Herbst in der Frage der Präsidentschaft entscheiden. Dabei spielten die Positionen der Kandidaten zu Krieg und Frieden und zum Sozialen eine Rolle. Ein von den Linken unterstützter Bewerber müsse die Positionen der Partei in vielen Feldern mittragen. "Wir entscheiden aus unserer politischen Sicht. Wir wollen Politikveränderung", sagte Lafontaine. Der einstige SPD-Vorsitzende bezeichnete es erneut als möglich, dass die Linke einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken werde, um ein politisches Signal zu setzen.

"Unter der Gürtellinie"

Die SPD hatte Schwan vergangene Woche als Gegenkandidatin zu Köhler nominiert. Bei der Abstimmung in knapp einem Jahr ist Schwan auf Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei angewiesen. Die Uni-Rektorin hatte angekündigt, um die Stimmen der Linken werben zu wollen. Im "Spiegel" hatte Schwan Lafontaine als Demagogen bezeichnet. Zudem warf sie der Linken vor, "überhaupt keine Antworten auf die Fragen der Gegenwart" zu haben. Eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei an einer Bundesregierung lehnte sie strikt ab.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linke-Fraktion im Bundestag, Dagmar Enkelmann, bezeichnete in "Spiegel Online" die Kritik Schwans an ihrer Partei "unter der Gürtellinie". Linke- Fraktionsvize Bodo Ramelow sprach von einem "Rückfall in antikommunistische Reflexe".

Reuters/DPA / DPA / Reuters