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Managerschelte: Wulff bedauert Pogrom-Vergleich

"Pogrom-Stimmung gegen Manager" - Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat seinen Vergleich der Managerschelte mit der Judenverfolgung nach heftigen Protesten zurückgezogen. Der Zentralrat der Juden legte Wulff den Rücktritt nahe.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich von seinem Vergleich der Kritik an Managern mit der Judenverfolgung distanziert. "Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogrom-Stimmung verbreiten", hatte er am Donnerstag in der TV-Talkshow "Studio Friedmann" gesagt. Am Freitag zog Wulff die Äußerung zurück. "Die Verwendung des Wortes Pogromstimmung bedauere ich", sagte der Ministerpräsident laut Staatskanzlei in Hannover. Dies sei eine Entschuldigung.

"Falsche Anreize und fehlende Regeln"

"Nichts kann und darf mit der Judenverfolgung und den schrecklichen Pogromen gegen die Juden verglichen werden", erklärte Wulff zwei Tage vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht. Eine generalisierende Stimmungsmache gegen hohe Gehälter in der Wirtschaft sei allerdings falsch.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte empört auf Wulffs Pogrom-Vergleich reagiert. Der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, legte dem Ministerpräsidenten am Freitag den Rücktritt nahe. "Wulff sollte sich einfach fragen, ob er für sein Amt geeignet ist", sagte Kramer. Niedersachsens SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner meinte: "Es ist beschämend für Niedersachsen, wenn sich der Ministerpräsident drei Tage vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht derart instinktlos äußert."

Drastischer als Wulff hatte kürzlich der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, die Kritik an Managern mit der Judenverfolgung in Verbindung gebracht. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken", hatte Sinn in einem Interview gesagt. "Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager." Auch Sinn zog seine Äußerungen einen Tag später zurück und entschuldigte sich.

AP/DPA / AP / DPA