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Misshandlungen im Seniorenheim: Land will Pflegebeauftragten

Der mutmaßliche Pflegeskandal im Saarland sorgt über Landesgrenzen hinweg für Entsetzen. Um Misshandlungen künftig zu verhindern, will das Land einen "Pflegebeauftragten" bestellen. Die Arbeiterwohlfahrt will unter anderem einen Ansprechpartner für Beschäftigte einsetzen.

Im Saarland sollen Altenpfleger Patienten in einem Seniorenwohnheim misshandelt haben, jetzt ziehen das Land und die #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/familie/awo-90389996t.html;Arbeiterwohlfahrt (AWO)# Konsequenzen. Neue Ansprechpartner für Heimbewohner und Beschäftigte sollen verhindern, dass es zu solchen Vorfällen kommt. Sozialminister #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/andreas-storm-90409763t.html;Andreas Storm# (CDU) kündigte am Freitag an, man werde einen Pflegebeauftragten einsetzen, an den sich Patienten und Angehörige bei Beschwerden wenden können. Der Landtag soll ihn nach der Sommerpause wählen. Storm sprach vom "schwersten Pflegeskandal" in der Geschichte des Landes. Die AWO will einen Ombudsmann als Vertrauensperson für Pfleger einsetzen.

In dem Seniorenzentrum der AWO in Elversberg bei Saarbrücken sollen zwei Pfleger zwischen Dezember und Mai Patienten misshandelt haben, es soll auch zwei Todesfälle gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Anwalt der Pfleger will nach Angaben seiner Kanzlei dazu keine Erklärung mehr abgeben. Die "Bild"-Zeitung hatte ihn mit den Worten zitiert: "Hier werden Tatsachen verdreht. Wir vermuten Mobbing, weil die beiden sich im Kollegenkreis möglicherweise unbeliebt gemacht haben."

Bis der Landtag den Pflegebeauftragten wählt, übernimmt der Leiter der Präventionsabteilung im Sozialministerium diese Funktion. Von Montag an wird zudem ein "Pflege-Telefon" freigeschaltet.

Täter hätten "kaum vorstellbaren menschenverachtenden Zynismus" an den Tag gelegt

Storm sagte, die mutmaßliche Täter hätten einen "kaum vorstellbaren menschenverachtenden Zynismus" an den Tag gelegt. Manches deute auf grundsätzliche Probleme im Pflegebereich hin, auch wenn er davon ausgehe, dass es sich bei den skandalösen Vorgängen um die absolute Ausnahme in der saarländischen Pflegelandschaft handele. Aktuell gehe es darum, zu ermitteln, "wo und welche Missstände bestehen" und die Qualitätsmanagement-Praxis zu überprüfen. Auch müsse man sich verstärkt um Motivation und Fortbildung des Personals kümmern. Im Herbst würden dann auf einer Pflegekonferenz mit allen Beteiligten gemeinsame Strategien zur Stärkung der Pflege diskutiert.

Der Ombudsmann der AWO soll Beschwerden von Beschäftigten "über unsachgemäße Dienstvorgänge" entgegennehmen, teilte die Organisation nach einer Sondersitzung des Landesvorstandes mit. Ein unabhängiger Pflege-Experte werde zudem Vorschläge zu Verbesserungen machen. Die AWO prüft derzeit, ob die damals Verantwortlichen im Heim schon länger von den Vorgängen wussten und dennoch nicht reagierten. "Das Geschehene widerspricht allen unseren Grundsätzen und den in unserem Verband und unseren Einrichtungen gelebten Grundsätzen", sagte AWO-Landeschef Paul Quirin.

DPA / DPA
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