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Motiv-Kampagne der Liberalen Das Mitmach-Netz muss sich wieder lohnen, FDP!


Wenn sich Parteien aufs Internet einlassen, ist gute Unterhaltung garantiert. Das muss gerade die FDP erfahren, die ihre Fans bittet, in einer Kampagne die Errungenschaften der Liberalen zu preisen.
Von Niels Kruse

Dieses vielbeschworene Web 2.0 ist im Grunde nichts anderes als der Siegeszug des Mitmach-Internets. Und weil nun langsam der Bundestagswahlkampf einsetzt, die Parteien händeringend auch irgendwas mit diesem topmodernen Medium machen müssen, kam die FDP schon im März auf die charmante Idee, geneigten Nutzern die Partei-Insignien für einen Postkarten-Baukasten zur Verfügung zu stellen. Das Motto laut FDP-Homepage: "Machen Sie bei der Foto-Aktion der 'Gut gemacht'-Kampagne mit!"

Zahllose Motivvorschläge stellt die Partei dafür zur Verfügung. Etwa das hier: Ein arrivierter Mann verkündet mit triumphierender Geste: "Anlegerschutz auf dem 'grauen Kapitalmarkt' verbessert. Ich will Farbe bekennen. Gut gemacht, FDP!" Oder diese Frau, die entschuldigende wie einladende Signale aussendet und verkündet: "Wir sprechen uns gegen Männer- und Frauenquoten aus. Frauen brauchen keine Quote, Männer auch nicht. Gut gemacht, FDP." Wie gesagt, zahllose Liberalen-Fans haben sich bereits an der Aktion beteiligt, und gegen diese Form des Bürgerdialogs ist nichts zu sagen. Zumal sich die frühere Pünktchenpartei vorbehält, die eingesandten Bilder nebst Slogan zunächst auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.

Witze auf Kosten von Niebel und Koch-Mehrin

Aber, wenig überraschend, hat die FDP die Rechnung ohne das Netz gemacht. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass es erst seit Kurzem einen Blog gibt, der die Kampagne aufs Korn nimmt. Auf der Seite "gutgemachtfdp" laufen ohne Unterlass Mitmach-Motive ein, die die zahllosen Angriffsflächen der Liberalen mal mehr, mal weniger lustig auskosten. Da ist etwa Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (das ist der, der die Bundesbehörde eigentlich abschaffen wollte) in schusssicherer Weste zu sehen, dazu der Slogan: "Das Entwicklungsministerium ist ja doch zu was gut: Es liefert umsonst Teppiche!". Oder Silvana Koch-Mehrin, der wegen Plagiaten der Doktortitel entzogen wurde. Slogan: "Abschreiben muss sich wieder lohnen." Natürlich bekommen auch Rainer Brüderle und Philipp Rösler ihr Fett weg: Gut gemacht, FDP!

Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Partei die Faxen dicke hat. Auch wenn sie geahnt haben wird, dass sich nicht nur treue Anhänger an ihrem Wettbewerb beteiligen würden. Vielleicht reagiert sie mit Humor auf die Kreativität ihrer Kritiker. Vielleicht aber auch nicht. Die "Frankfurter Rundschau" berichtet, dass auch die Grünen die Kampagne fleißig mitgestalten und Brüderle folgenden Satz untergeschoben haben: "Sexismus ist eine Geisteshaltung. Da wird in Dirndln gedacht. Oder überhaupt nicht." Das wurde erst dem Brüderle-Fotografen zu bunt, der seine Urheberrechte am Bild verletzt sah und dann auch der Partei selbst, die die Konkurrenz aufforderte, das Motiv von ihrer Facebookseite zu nehmen. Man behalte sich juristische Schritte vor, heißt es. Verdammt anstrengend, dieses Mitmach-Netz.


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