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Muslimische Lehrerin: "Es ist doch nur ein Kopftuch"

Erneut sorgt eine kopftuchtragende Lehrerin für Diskussion: Die 23-jährige Gilek Yilmaz, Neu-Referendarin für Mathematik und Französisch in Schleswig-Holstein, will nicht auf ihren Kopfschmuck verzichten - der Rektor und ihre Schüler nehmen es gelassen.

Schulzentrum Schacht-Audorf - ein beschaulicher Ort bei Rendsburg. 917 Schüler gehen hier auf die Grund-, Haupt- und Realschule. Ausländeranteil? "Drei, vielleicht vier Prozent". Integrationsprobleme? Schulleiter Dieter Backhaus schüttelt den Kopf. "Das wird aufgefangen", sagt er.

Seit ein paar Tagen muss der Lehrer solche Fragen beantworten. Grund: Seine neue Referendarin, die 23-jährige Gilek Yilmaz, will während ihres Französisch- und Matheunterricht das Kopftuch tragen. Die angehende Lehrerin mag nicht darüber reden, warum sie ihren Kopfschmuck tragen will.

Das Ministerium hat ihr nahe gelegt, freiwillig auf den Kopfschmuck zu verzichten. Denn Schleswig Holstein hat keine Regeln für religiöse Symbole im Schulgesetz verankert. Die Lehrerin in spe aber lehnte ab.

"Werde keinen Stab über sie brechen"

Seitdem steht das Telefon von Schulleiter Backhaus nicht mehr still, Journalisten lungern auf dem Schulhof. "Ich werde nicht den Stab über eine Person brechen, die ich nicht kenne", sagt der Direktor. Ein zehnminütiges Gespräch hat er mit seiner Referendarin schon geführt. Der Kopftuchstreit sei "kein Thema" gewesen. "Das wäre auch nicht sehr pädagogisch." Backhaus will abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Er setzt auf "Geduld und Gelassenheit".

Während der Streit um Kopftücher bei den Lehrern draußen im Land Wellen schlägt, sind die Reaktionen von Eltern, Lehrern und Schülern im Ort unaufgeregt. "Es ist doch nur ein Kopftuch. Hauptsache, wir lernen etwas bei ihr", sagt etwa der 13-Jährige Sören. Er wird die Referendarin künftig beim Mathematik-Unterricht der 7. Klasse im taubengrauen Zweckbau der Schule erleben. Sein gleichaltriger Schulkamerad Philipp sagt: "Wenn Sie das für ihren Glauben braucht, dann kann man das nicht unterbinden." Und: "Meine Mutter stört das auch nicht."

In der öffentlichen Debatte überwiegen unterdessen die kritischeren Töne. Nach den positiven Rückmeldungen aus verschiedenen politischen Lagern zum geplanten Kopftuchverbot und einem entsprechenden Votum der Lehrergewerkschaft GEW meldete sich nun auch der Landeselternbeirat der Realschulen zu Wort: Religiöse Symbole sollten in der Schule nicht zur Schau gestellt werden, hieß es.

kes
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