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Bei rechter Demo in Gotha: Polizist trägt Nazi-Aufkleber auf Schlagstock

"Bitte flüchten Sie weiter": Auf dem Schlagstock eines Thüringer Polizisten klebte ein Nazi-Sticker. Das wurde auf einer Demo gegen Rechts in Gotha entdeckt - ein internes Ermittlungsverfahren läuft.

Von Tim Schulze

Nazi-Aufkleber auf dem Polizeischlagstock

"Refugees not welcome": Offensichtlich wurde versucht, den Sticker zu entfernen, doch das ist nicht ganz gelungen

Die Aufnahme lässt keinen Zweifel zu. Bei einem Einsatz im thüringischen Gotha ist auf dem Schlagstock eines Bereitschaftspolizisten deutlich ein Nazi-Aufkleber zu sehen. Entstanden ist das Foto am vergangenen Samstag bei einem rechten Aufmarsch. Rund 240 Menschen waren dem Aufruf des rechtsextremen "Bündnisses Zukunft Landkreis Gotha“ gefolgt. 200 Demonstranten hatten sich gegen die Rechtsextremen gestellt, die Polizei war zur Stelle. Insgesamt verlief die Demo ohne größere Zwischenfälle, wie die Thüringische Allgemeine Zeitung berichtet. Der Aufkleber sorgt für umso größere Diskussionen.

Auf dem halb abgekratzten Sticker steht der ausländerfeindliche Spruch: "Bitte flüchten Sie weiter! Es gibt hier nichts zu wohnen. Refugees not welcome!" Noch brisanter wird der Fall durch die Tatsache, dass die Aufkleber vom Online-Shop "Druck 18" verkauft werden. Der Shop wird vom bekannten Thüringer Neonazi Tommy Frenck betrieben.

Antifa veröffentlichte Foto

Veröffentlicht wurde das offensichtliche Handyfoto auf der Internetseite der Antifa Südthüringen. Die Landtagsabgeordnete der Linken, Katharina König, verbreitete das Foto auf Twitter weiter. 

Der Neonazi Tommy Frenck vertreibt die Aufkleber in seinem Online-Shop Druck 18

Der Neonazi Tommy Frenck vertreibt die Aufkleber in seinem Online-Shop Druck 18


Die Polizei in Gotha bestätigte dem stern den Vorfall: "Es ist eine interne Untersuchung eingeleitet worden", sagte Pressesprecherin Susanne Schmidt. Über die Identität des Polizisten wollte sie nichts sagen. Steffen Dittes, Sprecher der Landtagsfraktion der Linken, kündigte gegenüber dem stern an, dass am Freitag ein Treffen aus Vertretern von Bereitschaftspolizei und Innenministerium zu dem Fall stattfindet.

Nicht der erste Fall

Ein ähnlicher Fall hat in Bayern schon einmal für Aufsehen gesorgt. Im Mai 2014 hatte ein Passant während des Fußball-Relegationsspiels zwischen Fürth und dem HSV zwei Nazi-Aufkleber entdeckt, die auf einer Kiste in einem Polizeibus prangten. Der verantwortliche Polizist der bayerischen Bereitschaftspolizei wurde anschließend aus seiner Einheit abgezogen. Seine Begründung damals lautete, er habe "gedankenlos" gehandelt.

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