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#NetzfragtMerkel: LeFloid scheitert an LaMerkel

Angela Merkel war Angela Merkel, aber LeFloid war nicht LeFloid. Es war ein ungleiches Match zwischen Kanzlerin und Youtube-Star. Leider.

Ein Kommentar von Sophie Albers Ben Chamo

Youtube-Star LeFloid sitzt Kanzlerin Angela Merkel gegenüber

Auf Abstand: Youtube-Star LeFloid sitzt Kanzlerin Angela Merkel gegenüber

Oh, was für eine Abreibung! Das muss weh getan haben. Beim Zusehen tat es das jedenfalls. Das Neue hat dem Alten definitiv nicht gezeigt, wie der Hase läuft. Das Alte hat den Hasen einfach geschlachtet, genüsslich gehäutet und entspannt verspeist.

Kein Interview wurde in letzter Zeit sehnlicher erwartet als das Gespräch zwischen Youtube-Star LeFloid und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Digital-native-Generation trifft auf das vordigitale Zeitalter. Allerdings kam bei diesem Ausflug ins "Neuland" nicht die Kanzlerin ins Schwitzen, sondern der Video-Blogger. Er hatte keine Chance. Und das von Anfang an.

LeFloid im Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Ich war sogar schon mal in einem Google-Hangout": Bundeskanzlerin Angela Merkel im Interview mit LeFloid


Am vergangenen Freitag war LeFloid ins Kanzleramt gefahren, um Merkel in einem Videointerview mit Fragen junger Menschen zu bombardieren, die er unter dem Hashtag NetzfragtMerkel gesammelt hatte. Das Kanzleramt versicherte, dass weder die Auswahl der Fragen, noch der Schnitt des Gesprächs in irgendeiner Weise beeinflusst würden. Doch das LeFloidsche Dauerfeuer, das coole Gezappe, das wilde Assoziieren blieben aus. Von der Angriffslustigkeit seiner "LeNews" keine Spur. Respektlosigkeit? Fehlanzeige. Offensichtlich ziemlich eingeschüchtert saß der Youtube-Star mit ordentlich Abstand vor der Kanzlerin. Die hörte sich die Fragen zur Homoehe, zur Freigabe von Cannabis, zur NSA oder auch zum Freihandelsabkommen TTIP freundlich lächelnd an und warf sie in mundgerechten Häppchen-Antworten routiniert zurück. Wahrscheinlich spielte sie nebenbei auch noch Simultanschach mit sich selbst.

"Whistleblower wäre kein Job für mich"

Ein einziges Mal - beim Thema Whistleblower - hakte LeFloid nach und fing sich prompt eine Portion Merkelscher Jagdlust ein: Nein, der Job des Whistleblowers sei nichts für sie, amüsierte sich die Kanzlerin mit glitzernden Augen. Und es war so klar, dass sie LeFloid jederzeit zu Hackbällchen verarbeiten könnte - doch nicht wollte.

Youtube-Star LeFloid im Interview mit Bundeskanzlerin Merkel

LeFloid scheitert an La Merkel


Merkel war zu jeder Sekunde Merkel. LeFloid war nie LeFloid. Kein Wunder, dass die Kanzlerin und deren Berater dieses Interview für eine gute Idee gehalten haben.

Der 27-jährige Florian Mundt ist ein Sprinter. Seine kurzen Videos, mit denen er zwei Mal wöchentlich das Weltgeschehen kommentiert, sind immer originell, auf den Punkt, zuweilen genial. Doch eine halbe Stunde Merkel gegenüber sitzen, mit ganzen drei Einstellungen und ohne jeden Einspieler? Es hatte etwas von einer Bürgerfragestunde. Und genau so hat Merkel dieses Gespräch auch eingeflogen: als Teil der Kampagne "Gut leben in Deutschland - Bürgerdialog zur Lebensqualität".

Dann stand sie auf und sagte zufrieden "Gut!".


Hier können Sie das Video sehen:


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