Papst-Besuch Servus, Benedikt!

500.000 Menschen warten auf einen Mann: Papst Benedikt XVI. wird am Samstag in München seine sechstägige Bayern-Reise beginnen. Doch die vielen Pilger müssen viel Geduld mitbringen, denn die Sicherheitsvorkehrungen sind streng. Sogar Kinderwagen sind verboten.

Sie scheinen sich gut zu verstehen, der erste Papst und der deutsche Papst. Petrus, von Jesus Christus einst in seine Nachfolge gerufen, hat alles in seiner Macht stehende getan, um Benedikt XVI. ein triumphale Rückkehr in die bayerische Heimat zu ermöglichen: Sonne und angenehme Temperaturen sollen am Wochenende herrschen, wenn der Papst am Samstag um 15.30 Uhr mit einer Sondermaschine der Alitalia am Münchner Flughafen landet. Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wollen ihn mit militärischen Ehren und Gebirgsschützen-Salut begrüßen.

Mit Papamobil duch die Innenstadt

Zum Auftakt seines Besuchs am Samstag und Sonntag in München erwartet die Polizei mehr als 500.000 Pilger und Schaulustige in der Landeshauptstadt. Nach einer Fahrt mit dem Papamobil durch die Innenstadt will der frühere Münchner Erzbischof auf dem Marienplatz beten. Anschließend sind Gespräche mit Köhler, Merkel und Stoiber geplant.

Erster Höhepunkt des sechstägigen Besuchs wird am Sonntag um 10 Uhr der Festgottesdienst auf dem Messegelände in Riem sein, zu dem 250.000 Menschen erwartet werden. Die Pilger müssen sich schon mitten in der Nacht auf den Weg machen und entweder stundenlange Wartezeiten vor den U-Bahnhöfen oder einstündige Fußmärsche von S-Bahnhöfen und Busparkplätzen auf sich nehmen. Viele Straßen sind komplett gesperrt. Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer sagte: "Es wird viel Gelassenheit, Geduld und im wahrsten Sinne des Wortes Stehvermögen von allen Beteiligten verlangt." Rund 5.000 Polizisten werden im Einsatz sein.

Viele Hotelzimmer frei

Am Marienplatz liefen die letzten Vorbereitungen: Die Mariensäule wurde mit Blumen in den vatikanischen Farben weiß und gelb geschmückt. Blumenteppiche am Fuße zeigen das Wappen des Papstes und der Stadt München. Auf dem Marienplatz sollen die erwarteten 10.000 Besucher beim Zugang durchsucht werden. Gefährliche oder sperrige Gegenstände wie Glasflaschen, Regenschirme und Kinderwagen sind verboten, auch Trillerpfeifen und beleidigende Transparente, sagte der Polizeipräsident. Der Papst sei gefährdet durch islamistische Gewalttäter, und auch Aktionen irrational handelnder Einzeltäter seien nicht auszuschließen. Die Polizei sei aber auf alles vorbereitet.

Neben Bereitschaftspolizei aus ganz Bayern sind auch Beamte aus Nordrhein-Westfalen und Hessen im Einsatz. Trotz der erwarteten Besuchermassen rechnet die bayerische Gastronomie mit Umsatzeinbußen. Die meisten Pilger seien Selbstversorger und übernachteten auch nicht, sagte Verbandssprecher Frank-Ulrich John. Viele kämen morgens mit Sonderbussen und führen abends wieder heim. Deshalb seien in München und Regensburg auch noch reichlich Zimmer frei.

Theologin bezeichnet Papst als Verbrecher

Der Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter hofft auf eine Langzeitwirkung des Papstbesuch in Bayern. "Die Begeisterung, die wir spüren, ist schon jetzt sehr groß", sagte er der ARD. "Er kommt im Namen Christi, den will er verkünden." Seine Begegnungen mit den Menschen würden eine tiefe Wirkung hervorrufen. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagte in München, auch die bayerischen Protestanten freuten sich auf diesen Besuch eines deutschen Papstes in Bayern. Besonders der Ökumenischen Vesper am Mittwoch in Regensburg sehe er fröhlich entgegen.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth und CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lobten die Rolle des Papstes als "moralische Instanz". Roth forderte Benedikt XVI. im Nachrichtensender N24 aber zugleich auf, auch Homosexuellen seinen Segen zu geben. Die exkommunizierte Theologin Uta Ranke-Heinemann prangerte Papst Benedikt XVI. dagegen als Verbrecher an und warf ihm den Tod unzähliger Menschen vor. Weil er Kondome ablehne, sei er Schuld an HIV-Infektionen, schrieb sie in der Zeitung "Junge Welt".

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker