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Parteitag der CSU: Guttenberg besiegt Seehofer 4:0

Die CSU wollte in München unbedingt ein direktes Kräftemessen zwischen Horst Seehofer und Karl-Theodor zu Guttenberg verhindern. Wen die Partei liebt und wen sie nur erträgt, wurde dennoch deutlich.

Von Hans Peter Schütz

Die erste Runde im CSU-Männertest geht eindeutig an Karl-Theodor zu Guttenberg. Wo immer der Adelsmann auf dem Münchner Parteitag der Christsozialen steht, sitzt, herumgeht - über seinem gegelten Schopf schweben stets mehr Mikros und TV-Kameras als über dem Kopf des CSU-Chefs. Wenn er lächelt, zucken die Zeigefinger der Fotografen und die Kameras klicken. Stille dagegen bei Seehofer, außer wenn er hinüber zu Guttenberg blickt, der zwei Meter weiter hinten sitzt.

Zweite Runde. Gemessen an den jungen CSU-Frauen auf diesem Parteitag, die sich vehement dagegen wehren, jetzt mit einer Frauenquote in einigen CSU-Gremien beglückt zu werden, sieht Seehofer wie ein bequemer Anpasser an den Zeitgeist aus. Noch im Februar war er entschiedener Gegner der Frauenquote gewesen. Jetzt redet er davon, er werde "wie ein Löwe dafür kämpfen." Aber alle wissen: Dafür, dass bei der Vergabe von Abgeordnetenposten im Bundestag und Landtag künftig die Quote ebenfalls gelten soll, dafür kämpft er nicht. So wird es bleiben, wie es ist: Im Bundestag sitzen sechs Frauen zwischen 45 CSU-Männern. Von 40-Prozent-Quote keine Spur, wenn es um die schönen Posten geht. Und Seehofer sagt mal wieder nichts, als ihm die Frauen zurufen: "Wir brauchen keine Quote." Und schweigt dazu, weshalb er vor Kurzem noch ablehnte, was er heute zulässt. Eben ein typischer Seehofer.

Watschen von der Kanzlerin

Zwischenrunde. "Lieber Horst", "liebe Angela" tätscheln sich Merkel und Seehofer vor den Delegierten, als die Kanzlerin den CSU-Parteitag für 45 Minuten beehrt. Die kritischen Zwischentöne in der Rede der CDU-Vorsitzenden lassen sich aber nicht überhören. Erst macht sie Seehofer mit der Bemerkung an, in der Frauendebatte möge er sich zu "Mut zum Neuen" bequemen. Das Wörtchen "endlich" spricht sie nicht aus, überhörbar ist es dennoch nicht. Eine Watschen verpasst sie ihm mit der Bemerkung, der veränderte Altersaufbau der deutschen Gesellschaft müsse die Politik von CDU/CSU bestimmen. Dass sie damit Seehofers Attacke auf die von ihr gepredigte Rente 67 maßregelt, versteht jeder. "Mehr Stärke" fordert Merkel, "mehr Selbstbewusstsein" von der CSU. Und piesackt Seehofer, der jahrelang ihre Gesundheitspolitik attackiert hat, mit kesser Kritik: "Bei Gesundheit muss man noch nacharbeiten." Der Parteitag lacht. Über Seehofer?

Eine so selbstbewusste Kanzlerin hat man vor der CSU noch nie gesehen. Vor neun Jahren las deren Führung noch demonstrativ Zeitung als Merkel redete. Seehofer lobt sie jetzt für eine "wegweisende Rede." Er wisse nun nicht, fügt er hinzu, was er denn nun in 14 Tagen sagen solle, wenn er vor dem CDU-Parteitag auftreten werde. Da wird von vielen der 1000 Delegierten gelacht. Und mancher nickt auch demonstrativ.

"Bravo, bravo", hört man zum ersten Mal

Entscheidungsrunde. Die ungeliebte Debatte über die ungeliebte Frauenquote wird auf den späteren Abend verschoben, damit Guttenberg die Chance bekommt, seine Reform der Bundeswehr samt Aussetzung der Wehrpflicht noch zu guten TV-Zeiten dem Parteitag verkaufen zu können. "Bravo, bravo", hört man zum ersten Mal auf diesem Parteitag. Fast jeder Satz Guttenbergs wird beklatscht. Kein Beifall aus Respekt wie bei Merkel. Dieser Beifall wird von Wärme getragen, von den Herzen der Delegierten. Und fröhlichem Gelächter als Guttenberg sich Seehofer persönlich zuwendet: "Es kommt auf den Zusammenhalt an, lieber Horst, nicht auf irgendwelche depperten Personalfragen." Der Parteitag lacht, der Horst nicht.

Was dieser Guttenberg der CSU wert ist, zeigt sich bei der Abstimmung über sein Projekt. Es wird ohne jeden Änderungsantrag und ohne jede Debatte blitzschnell beschlossen. Acht Minuten Redezeit hatte die Parteitagsregie Guttenberg genehmigt. Zwölf Minuten lang redete er. Er entschuldigt sich höflich dafür. "Wir hören ihnen auch stundenlang zu", rufen ihm die Delegierten zu und klatschen in doppelter Phonstärke als bei der Kanzlerin.

Nach Punkten bewertet kann Guttenberg auf dem CSU-Parteitag einmal mehr sein Sympathiekonto eindrucksvoll aufstocken. Es dürfte Seehofer nicht leicht fallen, bei seinem Auftritt an diesem Samstag hier gleichzuziehen. Er hat sich zwar gründlicher als jemals zuvor darauf vorbereitet. Aber selbst wenn ihm dies wenigstens halbwegs gelingt, ändert sich in der CSU nichts: Seehofer kann Parteichef bleiben, so lange es Guttenberg gefällt. Zu viele sitzen in der Partei mit offenen Messern in der Hosentasche herum. Aber frühestens im Herbst 2011 könnte es zu einem Wechsel kommen. Wenn Guttenberg dann die Zeit für gekommen hält - was keineswegs sicher ist.