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Kampf gegen den Müll EU droht mit Steuer auf Plastiktüten


Sie schwimmen im Meer oder liegen am Straßenrand: Plastiktüten enden oft in der Umwelt. EU-Bürger sollen künftig weniger Einwegbeutel nutzen. Es gibt diverse Pläne, wie das Ziel erreicht werden soll.

Die EU-Botschafter wollen den Verbrauch von Plastiktüten radikal eindämmen und stimmten am Freitag in Brüssel geschlossen für das Vorhaben. Um den Verbrauch der Einwegtüten zu begrenzen, sollen die Staaten Gebühren oder Steuern auf die Beutel erheben oder konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch nationale Verbote sind denkbar. Das alles für die Umwelt, denn erst nach hunderten von Jahren zersetzen sich die Beutel in der Natur.

Komplett beschlossene Sache ist das Vorhaben jedoch noch nicht: Zunächst muss der Umweltausschuss des Europaparlaments abstimmen, danach steht die formelle Annahme durch die Minister der EU-Staaten und das Plenum des Europaparlaments an. Bis zum Frühjahr sollte es eine endgültige Entscheidung geben.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?

Plastiktüten sind für ihr Gewicht ganz schön stabil. Doch was Verbraucher freut, kann der Umwelt schaden. Hunderte Jahre kann es dauern, bis die praktischen Tragetüten sich in der Natur zersetzen. Kleinteile werden von Seetieren wie Fischen und Vögeln gefressen.

Wie viele Tüten werden denn pro Jahr genutzt?

Nach Zahlen aus dem Jahr 2010 kommen jedes Jahr etwas weniger als 100 Milliarden Plastiktüten in Europa in Umlauf. Das entspricht 198 Tüten pro Jahr und Bürger, die meisten davon Einwegtüten. Deutschland steht laut Handelsverband Deutschland (HDE) gut da. Das sei auch dem durch den grünen Punkt bereits weit verbreiteten Recyclingsystem zu verdanken. In Deutschland liege der Verbrauch bei jährlich 76 Tüten pro Kopf, die EU-Kommission spricht mit Blick auf das Jahr 2010 von 64 Einwegtüten.

Diese Zahlen sollen also sinken?

Genau. Nach derzeitigem Stand soll jeder EU-Bürger Ende 2019 nur noch 90 Einwegtüten verbrauchen pro Jahr, Ende 2025 nur noch 40 Tüten - das wäre eine Minderung um knapp 80 Prozent im Vergleich zu 2010. Der europäische Durchschnitt lag damals bei 176 Tüten.

Ganz dünne Tüten, die es etwa an der Gemüsetheke gibt, wären aber ebenso wie stabile Mehrfachtüten nicht betroffen. Genauso gut könnte es Abgabegebühren geben oder Steuern für den Einzelhandel. Die Regierungen hätten die Wahl - Hauptsache, die Tüte wäre nicht mehr kostenlos. Auch andere Maßnahmen mit ähnlicher Wirkung wären möglich.

Was halten Umweltschützer davon?

"Das bedeutet für die Verbraucher und Verbraucherinnen und insbesondere den Einzelhandel eine Neuausrichtung zu bewussterem und ökologischerem Konsum", meint Leif Miller, Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Die Umweltschutzorganisation European Environmental Bureau (EEB) ist zwar grundsätzlich ebenfalls erfreut. Allerdings hätte sich die Organisation auch ein Verbot spezieller neuartiger Tüten gewünscht. Diese geben aus Sicht von Kritikern vor, biologisch abbaubar zu sein, obwohl sie es nicht sind. Dies soll nun aber die EU-Kommission erst einmal untersuchen.

Was sagt die Plastikindustrie dazu?

Der Branchenverband Plastics Europe argumentiert, man unterstütze zwar eine Gebühr für alle Taschen, egal aus welchem Material. Doch die Möglichkeit nationaler Verbote könne zu Handelshemmnissen in Europa führen. Das bemängelt übrigens auch die FDP-Europaabgeordnete Gesine Meißner.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Pläne waren im Grundsatz bereits Anfang der Woche von Unterhändlern der EU-Staaten und des Europaparlaments vereinbart worden. Nachdem die EU-Botschafter nun das Vorhaben abgesegnet haben, ist am Montagabend der Umweltausschuss des Parlaments am Zug. Ein Ja dort kann aber als sicher gelten, weil viele Abgeordnete gegen die Tüten vorgehen wollen. Danach stehen noch formale Bestätigungen durch das Plenum und die EU-Minister an. Bis zum Frühjahr dürfte dies alles geschehen sein.

jen/DPA DPA

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