HOME

Polizei-Skandal: Sex im Dienst

Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat einem Polizeibeamten die Pensionsbezüge gekürzt. Grund: Er nutzte den dienstlichen Internetanschluss für sehr private Zwecke.

Offenbar scheinen einige der männlichen Hüter über Recht und Ordnung von dem Grundsatz "Nicht im Dienst" wenig zu halten. Statt Fahndungslisten flimmern bei den Polizeibeamten Pornobilder über die Bildschirme. Nicht ohne Folgen.

Pornos im Dienst

Wegen des Ladens von Pornoseiten auf seinem Dienstcomputer wurde einem inzwischen im Ruhestand lebenden Beamten jetzt die Pension gekürzt. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück erhält der 55-Jährige drei Jahre lang um 20 Prozent verminderte Bezüge. Das Gericht legte dem einstigen Leiter der Landesaufnahmestelle für Spätaussiedler zur Last, den dienstlichen Internetanschluss in erheblichem Umfang privat genutzt und vor allem Sex- und Pornoseiten aufgerufen zu haben. Auch seinen Untergebenen habe er regelmäßig pornografische E-Mails geschickt. Der Beamte habe die Verfehlungen eingeräumt und das Urteil akzeptiert. Er ist seit Beginn dieses Jahres wegen Dienstunfähigkeit in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden.

Einziger Trost für den pensionierten Ordnungshüter: Er ist längst nicht der Einzige. Auch in Thüringen laufen seit Januar die Ermittlungen gegen zahlreiche Polizisten mit einer Vorliebe für Pornos auf Hochtouren. Im Herbst hatte die Staatsanwaltschaft nach einem anonymen Hinweis zunächst gegen sechs Beamte ermittelt. Nach einer Überprüfung sämtlicher Thüringer Polizeidienststellen habe sich der Verdacht auf insgesamt 345 Polizisten ausgeweitet. Derzeit müsse aber noch geprüft werden, ob die Verbreitung in einem "dienstlichen Bezug" stehe, sagte Staatsanwalt Rolf Mundt. Die unaufgeforderte Verbreitung pornografischen Materials könne laut Gesetz mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr belegt werden, fügte er hinzu.

Die Gewerkschaft der Polizei (GDP) fürchtet derweil um ihr Ansehen und sucht nach Erklärungen für die Fehltritte. "Hier arbeiten auch nur Menschen. Da kann immer etwas passieren, was sehr bedauerlich ist", so der Thüringer GDP-Landesvorsitzende Jürgen Schlutter.

AP/DPA / AP / DPA
Themen in diesem Artikel