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PORTRÄT: CDU-Politiker Wolfgang Böhmer

Der 62-jährige Böhmer aus der Lutherstadt Wittenberg hat gute Chancen, der nächste Ministerpräsident des Bundeslandes mit den schlechtestens wirtschaftlichen Daten zu werden.

Ein Baby auf dem Arm setzte sich der Gynäkologe Wolfgang Böhmer werbewirksam in Pose. »Wir werden das Kind schon schaukeln«, lautet die Botschaft des CDU-Spitzenkandidaten der Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt.

Der 62-Jährige aus der Lutherstadt Wittenberg hat gute Chancen, der nächste Ministerpräsident des Bundeslandes mit den schlechtestens wirtschaftlichen Daten zu werden. Umfragen zufolge liegt die seit 1998 von Böhmer geführte CDU mit gut 32 Prozent in Führung. Die SPD von Ministerpräsident Reinhard Höppner kann nur mit etwa 25 Prozent rechnen und muss sogar befürchten, vom langjährigen Tolerierungspartner PDS überholt zu werden. Böhmer will auf jeden Fall eine rot-rote Koalition aus SPD und PDS verhindern und dazu mit den Freien Demokraten und notfalls der Schill-Partei zusammengehen, denen die Demoskopen neun beziehungsweise fünf Prozent vorhersagen.

Erst nach der Wende in die Politik

In der DDR war Böhmer nach eigener Aussage »bis 1990 aus Überzeugung parteilos«. Der Chefarzt der geburtshilflichen Abteilung des Paul-Gerhardt-Stifts in Wittenberg, unter dessen Leitung seit 1973 etwa 30.000 Kinder zur Welt kamen, gewann bei der Landtagswahl 1990 in seiner Heimatstadt ein Direktmandat und avancierte zwei Jahre später zum Finanzminister des Landes. In dem Amt erwarb er sich wegen der knappen Etatmittel bald den Ruf eines »Hardliners«. Ein Jahr später wechselte er in das Amt des Sozialministers und nach der verlorenen Wahl 1994 auf die Oppositionsbänke.

Nach der für die CDU verheerenden Wahlniederlage 1998 übernahm Böhmer einen zutiefst frustrierten CDU-Landesverband und 2001 auch den Vorsitz der CDU-Landtagsfraktion. In beiden Ämtern einte er die Christdemokraten wieder. Nun scheint er kurz vor dem Erfolg zu stehen. Dessen ungeachtet trauen ihm die Wähler nicht viel zu. Einer Umfrage zufolge sehen 51 Prozent der Befragten in Böhmer und der CDU keine Alternative zur jetzigen Regierung.

Volker Warkentin