Potsdam Gegen "braune Suppe in den Köpfen"


Tausende Potsdamer zeigen bei einer Demonstration ihre Solidarität für den brutal zusammengeschlagenen Ermyas M. Dabei berichtet auch der eine oder andere der Teilnehmer, sich von rechter Gewalt bedroht zu fühlen.

Der Luisenplatz in Potsdam ist am Freitagabend randvoll mit Demonstranten. Auf der Bühne steht Martin Geyer, der Doktorvater von Ermyas M., der in der Osternacht an einer örtlichen Haltestelle brutal zusammengeschlagen wurde und nun im Koma liegt. "Erst letzte Woche saß ich mit Ermyas zusammen, wir haben zusammen überlegt, was er nach dem Ende seiner Promotion machen will", sagt Geyer. "Seine Arbeit hier dreht sich um Wasser und das Reinigen von Gemüse. Er wollte sein Ingenieurwissen in Äthiopien einsetzen", meint Geyer und macht eine kurze Pause. Und nun sei er wegen seiner schwarzen Hautfarbe fast totgeschlagen worden.

Es wird still auf dem Luisenplatz. Dann sagt Geyer, man solle mehr Geld in die Jugendbetreung stecken als für die Schlossparks ausgeben und Beifall bricht los. Es fängt an zu regnen - doch mehr als 3000 Menschen bleiben. Eine afrikanische Band beginnt zu spielen.

Angst davor, der Nächste zu sein

"Es passiert schon mal öfter, dass man angemacht wird", meint Rachid, ein junger Marokkaner mit schwarzer Sonnenbrille, der in Potsdam Geoökologie studiert und sich nun unter die Demonstranten gemischt hat. Er sei auch schon einmal an einer Haltestelle angegriffen worden, konnte aber noch fliehen "bevor es Ernst wurde". Potsdam sei aber auch nicht gefährlicher als andere Orte in Deutschland, sagt er noch. "Ich war richtig traurig, als ich das gehört habe", meint Capuco aus Angola, der seit zehn Jahren in Potsdam lebt. "Man darf jetzt auch nicht übertreiben mit der Angst, aber man muss schon vorsichtig sein. Vielleicht ist man ja der Nächste."

"Nein zu Nazis"

Drei Meter weiter hat eine Gruppe Jugendlicher ein Banner ausgerollt: "Keine Sorge! Schäuble und Schönbohm sind nur extreme Einzelfälle", heißt es darauf. Viele Menschen haben blaue, rote und gelbe Tücher um den Hals mit der Aufschrift "Farbe bekennen". Vorne an der Bühne haben sich die Stadtverordneten hinter einer Stoffbahn "Nein zu Nazis" aufgereiht. "Das tut weh, das macht die Arbeit von Jahren kaputt", meint eine der Stadtverordneten. "Es gibt bei einigen schon noch braune Suppe in den Köpfen."

Spenden-Scheck vom Einzelhandel

Oben auf der Bühne mahnt der Oberbürgermeister, dem alltäglichen Rassismus entgegenzutreten. Zwölf Rewe-Läden aus Potsdam und Umgebung haben damit bereits angefangen. Unter dem Motto "Händler handeln gegen Gewalt" wollen sie ein Prozent ihres Wochenumsatzes der Frau und den zwei Kinder von Ermya M. spenden. Mehr als 5000 Euro sind schon zusammengekommen, ein erster Scheck konnte an die Familie überreicht werden.

Elke Pickartz/Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker