HOME

Prozess gegen Ex-Bundespräsidenten: Wulff war nicht nur "auf Sylt und auf Capri"

Christian Wulff hat sich bei seinem Prozess in eine Zeugenbefragung eingeschaltet. Er machte deutlich, wie eng sein Terminplan als Ministerpräsident war. Und das auch ohne private Inselbesuche.

Der Eindruck besteht, dass ich mein Leben weitgehend auf Sylt und auf Capri verbracht habe." Mit diesem Satz hat sich Christian Wulff in eine Zeugenbefragung eingemischt. Der ehemalige Bundespräsident steht derzeit wegen des Verdachts der Vorteilsannahme vor Gericht. Und möchte verhindern, dass ein völlig fascher Eindruck seines Lebens als Ministerpräsident von Niedersachsen entsteht.

Auch seine frühere Mitarbeiterin, die am dritten Prozesstag in den Zeugenstand treten musste, betonte die hohe Arbeitsbelastung ihres ehemaligen Chefs. Die Angestellte der niedersächsischen Staatskanzlei koordinierte Wulffs Termine zwischen 2003 und 2010. "Wenn wir mal ein freies Wochenende brauchten, haben wir eingetragen 'MP in Brandenburg'", sagte die Zeugin. Nur auf diese Weise habe man verhindern können, dass doch noch Terminanfragen an den Regierungschef herangetragen wurden. Ein anderer Code, um dem Ministerpräsidenten Freizeit zu garantieren, war laut "Norddeutschem Rundfunk" der Eintrag "Mittagessen mit Professor M.".

Da Wulff sich nur in Form von Fragen an die Zeugin in den Prozess einmischen durfte, nutzte er diese, um seine hohe Arbeitsbelastung weiter zu unterstreichen. "Kann es sein, dass im Januar 2008 bereits 800 Termine für das Jahr eingetragen waren?". Die Zeugin bejahte.

Groenewolds Büro organisierte Oktoberfesttrip

Der Oktoberfestbesuch 2008, um den sich das Verfahren dreht, war aus Wulffs Sicht kein freies Wochenende. Besuche bei der CSU und andere berufliche Treffen hätten angestanden. Seine Mitarbeiterin sagte jedoch aus, dass der 27. September 2008 - also der Tag des Oktoberfestbesuchs - als frei geblockt war. Die Staatskanzlei habe mit der Vorbereitung des Wochenendes nicht viel zu tun gehabt. "Wir hatten nicht viel zu organisieren", sagte die Angestellte. Wulff sei mit dem Auto gefahren, das Zimmer habe eine Mitarbeiterin von David Groenewold gebucht.

Wulff muss sich wegen des Verdachts der Vorteilsannahme verantworten. Der Filmproduzent David Groenewold ist wegen Vorteilsgewährung mitangeklagt. Er soll zum Oktoberfest 2008 einen Teil der Hotelkosten für Wulff und dessen Frau übernommen haben. Später setzte sich der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen für ein Filmprojekt seines Freundes beim Siemens-Konzern ein.

vim/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel