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RAF: Hat Verena Becker Buback erschossen?

Der Sohn des RAF-Opfers Siegfried Buback hat Ungereimtheiten bei den Ermittlungen vor 30 Jahren entdeckt. In einem Medienbeitrag schreibt Michael Buback, Zeugenaussagen würden auf eine Frau als Mörderin seines Vaters hinweisen. Diese seien jedoch ignoriert worden.

Der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback hat nach eigener Darstellung Ungereimtheiten bei den Ermittlungen vor 30 Jahren festgestellt. Michael Buback erklärte in einem Gastbeitrag für die "Süddeutschen Zeitung", er sei bei der Überprüfung von Angaben des ehemaligen RAF-Mitglieds Peter-Jürgen Boock mit damaligen Zeitungsberichten auf offene Fragen gestoßen. So hätten in den Prozessen gegen die mutmaßlichen RAF-Täter zwei Zeugenaussagen keine Rolle gespielt, wonach eine Frau vom Soziussitz eines Motorrads aus Buback erschossen haben könnte.

Bis heute ist nicht klar, wer im April 1977 die Todesschüsse abgegeben hat. Als mögliche Mörderin war in Presseberichten das Ex-RAF-Mitglied Verena Becker genannt worden, bei der die Tatwaffe gefunden worden war. Boock hatte jüngst ausgesagt, Beckers ehemaliger Mitstreiter Christian Klar sei nicht der Todesschütze gewesen.

Der eine Zeuge, ein Jugoslawe, habe sich am 7. April 1977 in seinem Auto direkt neben dem Dienstwagen Bubacks befunden, als die Schüsse gefallen seien, schrieb Buback in einem Gastbeitrag für das Blatt. Der Mann habe zwei Vermummte auf einem Motorrad gesehen und sich das Kennzeichen gemerkt. Ein zweiter Zeuge habe am Vortag des Mordes das bei der Tat benutzte Motorrad in der Nähe des Buback-Fahrzeugs gesehen und die Person auf dem Soziussitz als "klein und zierlich" beschrieben. Seit seiner einstündigen Vernehmung unmittelbar nach dem Mord habe der Zeuge "nie wieder etwas von den Ermittlern gehört. Das erstaunt ihn (den Zeugen) noch immer und das macht mich ganz ratlos."

Buback will Antworten

Buback forderte die Bundesanwaltschaft zu einer Stellungnahme auf, warum es zu keinen Gegenüberstellungen der Verdächtigen mit den Zeugen gekommen sei. Wenn er keine zufriedenstellenden Antworten von der höchsten deutschen Anklagebehörde bekomme, "dann könnte es sein, dass eine Welt für mich zusammenbricht".

Buback betonte zudem, dass er sich weder für noch gegen eine vorzeitige Haftentlassung des früheren RAF-Mitstreiters Christian Klar ausgesprochen habe. "Beides trifft nicht zu, denn ich bin völlig neutral in dieser Frage und habe zu keiner Zeit versucht, dem Bundespräsidenten meine Meinung aufzudrängen." Horst Köhler habe allein über das Gnadengesuch zu befinden. "Und er weiß von mir, dass ich jede Entscheidung respektiere."

Reuters / Reuters