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Rente mit 67: Weshalb sollen wir früher länger arbeiten, Herr Spahn?

Die Genossen schimpfen, Seehofer schimpft - Unterstützung erhält Arbeitsminister Müntefering von einem jungen CDU-Abgeordneten. Im stern.de-Interview erklärt Jens Spahn, weshalb wir schon früher bis 67 arbeiten sollen.

Herr Spahn, was halten Sie als junger Politiker davon, dass Arbeitsminister Müntefering das gesetzliche Renteneintrittsalter früher erhöhen will?

Grundsätzlich macht es Sinn, sich zu bemühen, die Erhöhung des Renteneintrittsalters möglichst schnell umsetzen zu können. Eben nicht, wie bisher geplant, bis zum Jahr 2035, sondern, wie Müntefering lobenswerterweise vorschlägt, vielleicht schon bis 2023. Sicherlich können wir das nicht von heute auf morgen machen, sondern müssen den Menschen Planungssicherheit geben. Aber ich glaube, dass 17 Jahre Planungszeit ausreichen müssten.

Sie selbst sind jetzt 25, Ihre Generation wird ohnehin bis 67 arbeiten müssen. Was hätten Sie davon, dass das Rentenalter früher erhöht wird?

Das entlastet schlicht und einfach die Rentenkassen. Ein späterer gesetzlicher Renteneintritt führt natürlich dazu, dass Menschen länger arbeiten und damit weniger Rentenvolumen ausbezahlt werden muss. Falls es dennoch zur früheren Verrentung kommt, sind natürlich die Abschläge höher. Die heute Jüngeren würden davon profitieren, weil sie als Beitragszahler entlastet würden. Und ich sage auch als Jüngerer, der wahrscheinlich bis 67, wenn nicht gar bis 70, arbeiten muss: Wenn bis dahin meine Lebenserwartung aufgrund des medizinischen Fortschritts um drei, vier, fünf, sechs Jahre steigt, dann werde ich von dieser Zeit auch zwei Jahre länger arbeiten können.

In der SPD ist Münteferings Vorschlag umstritten, aber auch in Ihrer Partei gibt es Ärger. Ihr Fraktionsvorsitzender Volker Kauder hat gesagt, dass er an dem bisherigen Zeitplan festhalten möchte. Wie schätzen Sie die Gemengelage in der CDU ein?

Der Generalsekretär der Partei (Ronald Pofalla, Red.) hat gesagt, dass er ein Vorziehen befürwortet. Ich glaube eher, dass die Fraktionsspitze etwas verschnupft ist, weil der Vorstoß Münteferings nicht abgestimmt war. Gleichwohl steht im Koalitionsvertrag, dass die Erhöhung des Rentenalters auf 67 spätestens bis 2035 umgesetzt werden soll. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, den Schritt etwas früher zu gehen. Wir müssen das in der Fraktion noch diskutieren. Aber ich glaube nicht, dass ich da alleine stehe.

Wie bewerten Sie die Haltung von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer von der CSU, der den Vorschlag ablehnt, weil er fürchtet, dass dieser unsozial ist?

Der Verbraucherschutzminister bewertet die Debatte aus dem Blickwinkel von heute. Natürlich ist es so, dass heute die über 50-Jährigen kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Das wird aber in zehn Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung gänzlich anders aussehen, weil dann der Arbeitsmarkt die älteren Arbeitskräfte brauchen wird, weil gar nicht genügend Jüngere nachkommen. Insofern finde ich es nicht zuträglich, die Situation von heute zu nehmen, um Vorhaben zu kritisieren, die in zehn Jahren greifen.

Ist die Kritik an Müntefering verfehlt?

Mich stört, dass immer die am lautesten und am reflexhaftesten diskutieren, die eigentlich gar nicht betroffen sind. Herr Hirrlinger (Vdk-Chef, Red.) in allen Ehren, aber er wird nicht betroffen sein von einem Renteneintrittsalter von 67 oder 70 Jahren, sondern das wird meine Generation sein, die so lange wird arbeiten müssen. Diejenigen, die die Rente schon durch haben, sollten diese ganze Diskussion viel gelassener sehen können.

Interview: Florian Güßgen
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