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Rüge erteilt: Clement darf in der SPD bleiben

Zum guten Schluss wollte die SPD ihren einstigen "Superminister" doch nicht vor die Tür setzen. Wolfgang Clement wird Mitglied der Partei bleiben. Für seine potenziell parteischädigenden Äußerungen just vor der Hessen-Wahl wird ihm allerdings eine Rüge erteilt - die er prompt scharfzüngig kritisierte.

Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement wird nicht aus der SPD ausgeschlossen. Die Schiedskommission der Bundespartei erteilte ihm in letzter Instanz wegen SPD- kritischer Äußerungen im hessischen Landtagswahlkampf lediglich eine Rüge. Damit wurde ein monatelanger Streit beigelegt. Clement sagte anschließend allerdings: "Ich halte eine Rüge für unangemessen und falsch." Zugleich erneuerte er im "Handelsblatt" seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD.

In einer schriftlichen Erklärung hatte der 68-Jährige zuvor ausdrücklich seine damaligen Äußerungen bedauert. Es sei nicht seine Absicht gewesen, den hessischen Sozialdemokraten im Wahlkampf im vergangenen Januar zu schaden. Er habe auch nicht dazu aufgerufen, die SPD und ihre gewählten Vertreter nicht zu wählen, betonte Clement, der selbst nicht an der Sitzung teilnahm. Er kündigte an: "Ich werde aber bei der Wortwahl künftiger Äußerungen darauf achten, dass solche Missverständnisse nicht mehr entstehen."

Clement: Werde mich weiterhin äußern

Clement bekräftigte gleichzeitig, dass er auch künftig sein Recht wahrnehmen werde, "mich nach meinen festen Überzeugungen zu inhaltlichen politischen Fragen zu äußern". Die Erklärung wurde in der vierstündigen Sitzung von Clements Rechtsbeistand, dem früheren Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), verlesen.

Die Bundesschiedskommission beschloss daraufhin, den Ende Juli von der Spruchkammer des nordrhein-westfälischen SPD-Verbandes verhängten Parteiausschluss aufzuheben. Die von Clements SPD-Unterbezirk Bochum im April ausgesprochene Rüge wurde dagegen bestätigt. Dagegen hatten Clement und mehrere Bochumer Ortsvereine damals Widerspruch eingelegt.

SPD-Bundesgeschäftsführer Hubertus Heil sprach von einer "angemessenen und vernünftigen Entscheidung". Sie zeige, dass die Meinungsfreiheit in der SPD umfassend gewährleistet sei. "Zugleich gilt jedoch auch der Grundsatz der innerparteilichen Solidarität", erklärte Heil. Nordrhein-Westfalens SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft begrüßte die Entscheidung ebenfalls. "Es ist gut, dass sich beide Seiten bewegt haben und dass so ein Kompromiss gefunden werden konnte."

Parteivorstand gegen Ausschluss

An dem Termin im Willy-Brandt-Haus nahm auch SPD-Chef Franz Müntefering teil, der sich ebenso wie weitere führende Sozialdemokraten gegen einen SPD-Ausschluss ausgesprochen hatte. Clement hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Bundeskabinett mehrere Aufsichtsratsmandate in der Wirtschaft übernommen, darunter für die RWE-Kraftwerkstochter RWE Power AG. Eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen hatte er die Pläne von SPD-Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti, insbesondere in der Energiepolitik, in Hessen scharf attackiert.

"Wer es wie sie will, der muss sich klar sein: Das geht nur um den Preis der industriellen Substanz Hessens", schrieb Clement damals in einem Gastbeitrag in der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht." Nach der Bekanntgabe der Entscheidung der Schiedskommission sagte Clement dem "Handelsblatt": "Es bleibt dabei, die Energiepolitik der hessischen SPD ist falsch und in einem Industrieland nicht zu verantworten." Zugleich kündigte er an: "Ich werde mich auch in Zukunft an der Debatte beteiligen."

Führende Parteilinke wie Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner legten Clement am Montag kurz vor dem Beschluss der Schiedskommission den freiwilligen SPD-Austritt nahe. Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der unter Ypsilanti Wirtschaftsminister werden sollte, meinte, Clement habe gezielt versucht, einen SPD-Wahlsieg zu verhindern.

DPA/AP / AP / DPA