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Sächsischer Landtag: So sieht's aus, wenn die AfD Änderungen einbringen will

Dass Haushaltsdebatten nicht unbedingt trocken sein müssen, hat ein AfD-Abgeordneter im sächsischen Landtag bewiesen - wenn auch eher unfreiwillig. Er versucht minutenlang, zu nummerierten Anträgen etwas in der richtigen Reihenfolge zu sagen.

Besser als Loriot: AfD-Sachsen blamiert sich mit Änderungsantrag im Landtag

Das hätte sich Loriot nicht besser ausdenken können: Im sächsischen Landtag versucht der AfD-Abgeordnete André Wendt, Änderungsvorschläge einzubringen. Doch ganz so einfach scheint das nicht zu sein.

Zwischen Horst Wehner, dem Vizepräsidenten des Sächsischen Landtags, und dem AfD-Abgeordneten entspannt sich ein kaum zu begreifender Dialog um Änderungsanträge. "Bleiben Sie gleich hier. Die 74/94 bis 74/99, wollen sie dazu auch etwas sagen?", fragt Wehner. Prompt macht Wendt, der schon auf dem Weg zurück zu seinem Platz war, kehrt und stellt sich wieder ans Rednerpult. Er schaut in seinen Aktenordner, scheint aber auf Anhieb nicht die entsprechenden Anträge zu finden.

Anträge 94 bis 99 in der richtigen Reihenfolge

Online gestellt hat den Ausschnitt aus der Videoaufzeichnung des Sächsischen Landtags Marc Dietzschkau, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der SPD im Sächsischen Landtag. "Die AfD hat die Haushaltsberatungen durch eine Unmenge an Anträgen massiv in die Länge gezogen," sagte Dietzschkau dem stern. "Das war eine exemplarische Szene, wo sie sich selbst beim Versuch verzettelt haben, das Parlament zu trollen."

Das Blog "Kraftfuttermischwerk" kommentierte: "Man könnte sich jetzt darüber lustig machen. "Haha, wie doof" und so. Aber darauf will ich nicht hinaus, auch weil das zu einfach wäre. Vielmehr zeigt dieses Video schön anschaulich, dass das politische Tagesgeschäft sehr viel mehr ist, als nur ein paar polemische Äußerung vom Stapel zu lassen."

"Sie haben die Möglichkeit zu sagen 'Nein'", sagt Wehner später. Das war wohl der Versuch, die Debatte zu beschleunigen. Denn die Haushaltsdebatte hatte Mittwoch um zehn Uhr morgens begonnen und die Szene ereignete sich gegen 21.45 Uhr. Wehner erntet für die Bemerkung jedenfalls Gelächter bei den Abgeordneten. Dann findet Wendt die Anträge in seinen Unterlagen doch noch: "Die 94 und die 95 beziehen sich auf die Krankenhausfinanzierung, dazu werde ich später etwas sagen." Wehner erwidert: "Das ist aber jetzt dran. Da müssen Sie das schon so machen, wie ich das möchte." Drei Minuten dauert der Dialog, bis Wendt endlich zu allen Änderungsanträgen in der richtigen Reihenfolge zu sprechen beginnt.

tkr