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Ansprache als "Liebe Menschen" Stuttgart führt "gendersensible Sprache" ein – Ministerpräsident Kretschmann hält nicht viel davon

Ein Mann mit weißem Igelschnitt und schwarzem, eckigen Brille schaut mit nach rechts gedrehtem Kopf aus den Augenwinkeln
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg
© Andreas Gebert / Getty Images
Stuttgarts Verwaltung führte eine "gendersensible Sprache" ein. In Zukunft soll es in Anschreiben statt "Sehr geehrte Damen und Herren" vielmehr "Liebe Menschen" heißen. Ministerpräsident Kretschmann hält von dieser Änderung nicht viel.

Es war der 18. Januar 2019, als Hannover als erste Stadt in Deutschland eine "neue Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache" einführte. Von da an sollte die Verwaltung der Landeshauptstadt möglichst geschlechtsneutral sprechen und schreiben. Fast anderthalb Jahre später zieht nun auch die Stadt Stuttgart nach. Dort soll die Verwaltung in Zukunft "gendersensibel" sprechen. 

Oberbürgermeister Fritz Kuhn unterschieb eine entsprechende Vorlage, die dem stern vorliegt. Darin heißt es unter anderem: Einzelpersonen sollen in Zukunft ohne Titel angesprochen oder angeschrieben werden. Und auch Begriffe, die "Rollenklischees" bedienen könnten, sollen vermieden werden.

Winfried Kretschmann ist gegen "Sprachpolizisten" 

Das Kuriose: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält von solchen Regeln nicht viel. Wie er der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart nun sagte: "Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir in unserer Sprache niemanden verletzen, und Sprache formt unser Denken ein Stück weit. Aber jeder soll noch so reden können, wie ihm der Schnabel gewachsen ist", so der der Grünen-Politiker. Er sei gegen "Sprachpolizisten".

Dabei räumte Kretschmann ein: Es falle ihm nicht leicht, stets auch die weibliche Form zu nennen, wenn er etwa von Zuschauern und Zuschauerinnen spreche oder von Polizisten und Polizistinnen. "Mit der Verwechslung von Genus und Sexus kann ich gar nichts anfangen, beuge mich aber zu einem gewissen Grad diesem Trend."

Mehrheit der Deutschen sind gegen das "Gendern"

Genus bezeichnet das grammatikalische Geschlecht, Sexus das biologische. Viele Leitfäden für geschlechtergerechte Sprache empfehlen, grammatisch männliche Formen wie "Lehrer" nur noch für auch biologisch männliche Lehrer zu verwenden.

Diskussionen um gendergerechte Sprache gibt es seit längerem. Anne Will und Claus Kleber praktizieren es in ihren Sendungen bereits. Doch die Mehrheit der Deutschen ist dagegen. Das ergab eine Umfrage der Infratest-Dimap im Auftrag der "Welt am Sonntag". Demnach halten 56 Prozent der Bevölkerung nichts vom Gendern von Begriffen durch ein großes Binnen-I, ein Gendersternchen oder einen Unterstrich in journalistischen und literarischen Texten sowie in politischen Reden.

Quellen: "Welt", "Bild"

rpw / mit DPA

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