Stasi-Unterlagen Birthler rechnet noch mit brisanten Funden


Noch immer setzen rund ein Dutzend Mitarbeiter Papierschnipsel aus knapp 16.000 Säcken mühsam per Hand zusammen. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, rechnet weiterhin mit brisanten Funden.

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, rechnet bei der Rekonstruktion zerrissener Stasi-Unterlagen noch mit brisanten Funden. Bei der Akten-Zusammensetzung könnten auch 15 Jahre nach dem Sturm auf die Berliner Stasi-Zentrale noch Überraschungen zutage gefördert werden, sagte Birthler in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Es waren ja keine alten Unterlagen aus den 60er Jahren, die die Stasi noch nach der friedlichen Revolution vernichten wollte. Das waren aktuelle Vorgänge direkt von den Schreibtischen der Offiziere."

Noch immer setzen rund ein Dutzend Mitarbeiter die Papierschnipsel aus knapp 16.000 Säcken im bayerischen Zirndorf mühsam per Hand zusammen, sagte die Bundesbeauftragte. Die Stasi hatte nach der Herbstrevolution 1989 noch massenhaft Geheimakten zerstört, es jedoch nicht geschafft, sie komplett beiseite zu schaffen. Nach den Besetzungen der Stasi-Verwaltungen in den DDR-Bezirken sowie dem Sturm auf das Ministerium für Staatssicherheit am 15. Januar 1990 waren die Aktenberge sicher gestellt worden.

<"Projekt nur aufgeschoben"

Birthler hoffte indes, dass der Bundestag das Geld für eine Zusammensetzung der Akten per Computer für das Jahr 2006 bewilligt. Dass das Parlament für dieses Jahr das Projekt abgelehnt hat, sei kein prinzipielles Nein, sondern eine haushaltspolitische Entscheidung gewesen. "Das Projekt ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben - davon gehe ich aus", sagte die frühere Bürgerrechtlerin.

Sie veranschlagte die gesamten Kosten des Projekts auf rund 50 Millionen Euro. Mit der Rekonstruktion per Computer könnte die Akten-Zusammensetzung in rund fünf Jahren geschafft werden, während es beim jetzigen Stand mehrere hundert Jahre dauern würde. Birthler rechnet auch in diesem Jahr mit einem hohen Interesse von Bürgern an der Akteneinsicht. Überprüfungen von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst würden laut Gesetz Ende 2006 auslaufen. Bis dahin habe die Stasi- Unterlagenbehörde, die zum Jahresbeginn in die Zuständigkeit von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) überging, noch "ein großes Volumen" abzuarbeiten.

DPA DPA

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