Birthler-Behörde Stasi-Akten bleiben öffentlich


Die Unterlagen der Staatssicherheit der früheren DDR werden noch viele Jahre lang auf Anfrage öffentlich zugänglich bleiben. Dies hat Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch der sogenannten Birthler-Behörde betont. Vor allem junge Menschen zeigten zunehmend Interesse an den Stasi-Akten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die Aufarbeitung der Stasi-Tätigkeit noch lange nicht für abgeschlossen. "Ich glaube, das wird noch viele Jahre andauern", sagte sie am Donnerstag bei ihrem ersten Besuch des zentralen Aktenarchivs in Berlin. Zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall verteidigte die Kanzlerin die damalige Entscheidung, die Akten nicht nur für die Forschung, sondern auch für jeden einzelnen Betroffenen zu öffnen. Dies habe "zur Versöhnung beigetragen und nicht zur Spaltung".

Merkel wies darauf hin, dass zwei Prozent der DDR-Bürger Stasi-Spitzel gewesen seien. "Das waren zwei Prozent zu viel, aber es waren auch nur zwei Prozent", sagte sie. Viele Menschen hätten sich den Anwerbungsversuchen der Stasi widersetzt. Die Kanzlerin besuchte das Archiv anlässlich des 19. Jahrestags des Sturms auf die Stasi-Zentrale. Am 15. Januar 1990 hatten Demonstranten die Zentrale gestürmt, um die Akten vor einer Vernichtung zu schützen. In dem Zentralarchiv der von Marianne Birthler geleiteten Stasi-Akten-Behörde lagern mehr als 43 Kilometer Unterlagen. Weitere 70 Kilometer verwalten die 14 Außenstellen in den ostdeutschen Bundesländern.

Noch kein Zeitpunkt für Überführung der Akten

Merkel sagte, der offene Umgang mit Geheimdienstakten aus der Zeit des Kalten Krieges sei in Europa einzigartig. Sie wies zwar darauf hin, dass die Akten langfristig in das Bundesarchiv überführt würden. Derzeit habe die Birthler-Behörde aber durchaus noch ihre Existenzberechtigung. Die sehr hohe Zahl an Anträgen auf Akteneinsicht sei ein Beleg dafür. "Es ist nach wie vor so viel Aktualität drin, dass sich die Arbeit dieser Behörde im Augenblick jedenfalls noch deutlich von der eines zentralen Archivs unterscheidet." Ein Zeitpunkt für die Überführung der Akten ins Bundesarchivs steht noch nicht fest. Merkel sagte, eine Entscheidung darüber werde in der nächsten Legislaturperiode eine Expertengruppe treffen.

Birthler hatte schon vor längerer Zeit erklärt, die Behörde werde mindestens bis zum Jahr 2019 oder 2020 gebraucht. Merkel hob auch die Bedeutung der Vermittlung der Stasi-Vergangenheit an Schüler hervor. "Das was Diktatur bedeutet, darf nicht verloren gehen in der Erinnerung», sagte sie.

Zahl der Anträge auf Akteneinsicht steigend

Birthler wies gegenüber der Nachrichtenagentur AP darauf hin, dass das Interesse an den Akten weiterhin groß sei. Vor allem das Interesse jüngerer Menschen nehme von Jahr zu Jahr zu. "Der Anteil ganz junger Leute, die bei uns Forschungsanträge stellen für Magisterarbeiten oder Dissertationen, wächst sehr." Vor einigen Jahren habe er noch bei 20 Prozent gelegen, sich aber inzwischen mehr als verdoppelt. "Fast die Hälfte unserer Antragsteller sind heute sehr junge Leute."

Die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht von Bürgern sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und haben im vergangenen Jahr die Marke von 100.000 wieder überschritten. Auch die Zahl der Forschungsanträge von Wissenschaftlern und Journalisten stieg in den vergangenen Jahr. 2007 lag sie bei 1.387.

AP/DPA AP DPA

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