stern-Umfrage Schwarz-Gelb hat die Mehrheit


37 Prozent der Deutschen wissen nicht, in welcher Partei Finanzminister Peer Steinbrück ist. Und das ist nicht das einzige Problem, das die SPD derzeit hat, wie die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern belegt - denn die Union profitiert vom Ypsilanti-Clement-Chaos und liegt mit der FDP vorn.

Finanzminister Peer Steinbrück ist neben Kanzlerin Angela Merkel das Gesicht des deutschen Krisenmagements. Und er werde in der Bevölkerung durchaus als Experte geachtet, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner im stern.de-Gespräch im "Café Einstein". Aber die SPD hat wenig davon. Denn 37 Prozent der Bundesbürger wissen nicht, welcher Partei er angehört, wie die jüngste Forsa-Umfrage belegt. "Ein Teil sagt: Der ist in der CDU", erläutert Güllner. "Und die meisten sagen: Ich weiß gar nicht, ob der überhaupt einer Partei angehört."

Das Problem Steinbrücks sei, dass er zu sehr als Fachminister wahrgenommen werde - nicht jedoch als SPD-Politiker, sagt Güllner. Steinbrück müsste sich also zu einem breiteren Themenspektrum äußern und dabei typisch sozialdemokratische Positionen markieren. Vermutlich betrachtet Steinbrück dies jedoch derzeit nicht als seine vordringliche Aufgabe. Im Finanzministerium gehen täglich neue Hiobsbotschaften aus der Finanz- und Wirtschaftwelt ein.

Merkel obenauf

Die Sympathie-Werte für Angela Merkel bleiben unterdessen erstaunlich stabil. Könnten die Menschen den Kanzler direkt wählen, würden sich 50 Prozent für Merkel und 25 Prozent für ihren Herausforderer Frank-Walter Steinmeier entscheiden. Die anhaltende Steuerdebatte, auch in der eigenen Partei, hat Merkel also bislang nicht geschadet. "Die Menschen wollen mit einer Mehrheit, dass es Steuererleichterungen gibt. Aber sie akzeptieren offenbar auch die Haltung der Kanzlerin", resümiert Güllner. "Wir haben keine Sympathieeinbrüche zu verzeichnen."

Merkels Partei, die CDU, und die bayerische Schwester CSU, können sich ebenfalls behaupten. Wären am Sonntag Bundestagswahlen käme die Union wie in der Vorwoche auf 38 Prozent, die FDP würde 12 Prozent erzielen (plus ein Prozentpunkt), die SPD 23 Prozent, die Grünen 10 Prozent und die Linkspartei 12 Prozent. Unterm Strich hätte ein schwarz-gelbes Bündnis damit die absolute Mehrheit eingefahren - ein Umfragewert, der zuletzt im August aufgetreten ist.

Union profitiert von SPD

Die Union erreicht diese Umfragewerte - mit 38 Prozent Zustimmung liegt sie weiter auf ihrem Jahreshoch - jedoch nicht aus eigener Kraft. Sie profitiert nach Güllners Ansicht vielmehr von der anhaltenden Schwäche der SPD. "Nun hat sie gerade die Ypsilanti-Delle ausgeschwitzt", sagt der Forsa-Chef. Dann aber kam das Parteiausschluss-Verfahren gegen Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, das bekanntlich mit einem Eklat endete: Clement verließ die SPD im Zorn. Clement jedoch sei auch für CDU-Anhänger attraktiv gewesen, ein Mann der "Mitte", ein "wichtiges Symbol", sagt Güllner. Der Umgang mit ihm habe die Anhängerschaft der CDU stabilisiert.

Mit anderen Worten: Die CDU ist in der glücklichen Lage, nichts für ihren Erfolg tun zu müssen. Darum kümmert sich schon die SPD.

uj/lk/mw

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