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Zum Tag der Deutschen Einheit: Fünf Grafiken, die Deutschlands Wandel nach der Wende zeigen

Aktuell veröffentlichte Statistiken machen verständlich, wie sich Deutschland nach der Wende wirtschaftlich und gesellschaftlich verändert hat. Der stern präsentiert fünf Infografiken zu fünf Zahlen.

1. Der Osten, Bremen und das Saarland schrumpfen

Ende 1991 lebte in den neuen Bundesländern mit 14,5 Millionen Menschen noch knapp ein Fünftel der deutschen Bevölkerung, 2013 waren es drei Millionen weniger. Jedes ostdeutsche Flächenland hat heute weniger Einwohner als zur Wendezeit, während die Gesamtbevölkerung Deutschlands leicht gestiegen ist. Grund für die Schrumpfung im Osten: Hohe Abwanderung in Richtung (Süd-)Westen und ein hohes Geburtendefizit. Auch der Stadtstaat Bremen und das Saarland büßten Einwohner ein.


2. Deutschland altert, der Osten etwas schneller 


Das Durchschnittsalter lag 1991 in Deutschland bei 39,4 Jahren, 2014 war der Durchschnittsbürger 44,2 Jahre alt. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern schreitet die Alterung der Gesellschaft schnell voran: Das Durchschnittsalter ist dort zwischen 1991 und 2013 um zehn Jahre gestiegen, von 36,3 auf 46,3 Jahre. Die Stadtstaaten haben nicht so sehr mit dem demografischen Wandel zu kämpfen wie die Flächenländer, weil sie - wie im Übrigen auch die Großstädte in den Flächenländern - vom Zuzug junger Menschen profitieren. 


3. Menschen mit Migrationshintergrund leben im Westen und in Berlin


In den neuen Bundesländern liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei höchstens fünf Prozent. Die Ausnahme bildet Berlin, wo rund ein Viertel der Einwohnerschaft ausländische Wurzeln hat. Der große Unterschied ist mit der jeweiligen Geschichte von Ost und West verbunden. Die Bundesrepublik warb ab MItte der 1950er Jahre Gastarbeiter vor allem aus der Türkei, Italien oder dem ehemaligen Jugoslawien an. Diese wurden häufig in Westdeutschland sesshaft, ihre Nachkommen leben noch immer dort. In der DDR hingegen wurden vor allem Gastarbeiter aus anderen sozialistischen Staaten wie Polen, Kuba oder Vietnam angeworben. Sie hatten in der Regel allerdings kein Bleiberecht und kehrten nach der Wende in ihre Heimatländer zurück.


4. Drohende Armut vor allem im Norden


Der Anteil von armutsgefährdeten Personen ist in den neuen Bundesländern noch immer höher als im Westen. Zwar hat die Wirtschaftsleistung im Osten deutlich aufgeholt, in punkto Arbeitslosenquote und Lohnniveau liegen die neuen aber zumeist noch immer hinter den alten Bundesländern. Insgesamt betrachtet gibt es hinsichtlich der Armutsgefährdung in Deutschland allerdings eher ein Nord-Süd- als ein Ost-West-Gefälle. Die höchste Quote der Bundesrepublik hat zudem kein ostdeutsches Land, sondern Bremen.  


5. Der Norden zieht die meisten Besucher an


Der Tourismus ist seit der Wende vor allem im Norden der Republik zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor herangewachsen. Vor allem Mecklenburg-Vorpommern hat einen enormen Sprung gemacht. Zwischen 1992 und 2013 stieg die Anzahl Übernachtungen im Nordosten auf 28 Millionen. Gemessen an der Zahl seiner Einwohner liegt das Bundesland damit an der Spitze Deutschlands, gefolgt von Schleswig-Holstein.


Alle Zahlen stammen aus der Veröffentlichung "25 Jahre Deutsche Einheit" vom Bundesamt für Statistik.