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Telekom-Affäre: Auch DGB-Chef wurde bespitzelt

Die Telekom hat Telefonverbindungsdaten des Chefs des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer, durchleuchten lassen. Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, René Obermann, habe ihn über entsprechende Erkenntnisse der Bonner Staatsanwaltschaft informiert, sagte Sommer.

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom weitet sich aus. Wie das Unternehmen am Dienstag in Bonn bestätigte, wurden die Telefondaten von "mehreren Aufsichtsräten" der Arbeitnehmerseite ausgewertet. Neben DGB-Chef Michael Sommer gehöre auch Lothar Schröder, Vizechef des Telekom-Aufsichtsrates, zu den Betroffenen. "Ich wurde darüber informiert, dass ich auch betroffen bin", sagte Schröder der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Strafanzeige gestellt

Wie bereits zuvor bekanntgeworden war, wurden auch die Daten des Konzernbetriebsrats-Vorsitzenden Wilhelm Wegner ausgewertet. Schröder sagte zugleich, dass er von dem Unternehmen bereits zu einem früheren Zeitpunkt über das Ergebnis der Überprüfung informiert worden sei. Er habe sich aber nicht dazu geäußert, da er nicht in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingreifen wollte.

Ein Sprecher der Telekom verwies darauf, der Staatsanwaltschaft lägen offenbar derzeit keine Erkenntnisse vor, dass diese Aufsichtsratsmitglieder im Mittelpunkt eines gezielten Ausspähungsangriffs gestanden hätten. Eine Begründung für diese Ansicht nannte die Telekom nicht.

Schröder und Sommer hatten mit elf weiteren aktiven und ehemaligen Arbeitnehmervertretern aus dem Aufsichtsrat des Telekom-Konzerns Ende Mai Strafanzeige gestellt, um als Prozessbeteiligte Einblick in die Akten zu bekommen. Das Unternehmen selbst hatte eingeräumt, dass im Jahr 2005 und wohl auch 2006 widerrechtlich Verbindungsdaten ausgewertet wurden. Ziel war nach Angaben aus Konzernkreisen herauszufinden, wer die Presse mit vertraulichen Informationen versorgte.

Telekom-Konzernchef René Obermann hatte mit dem Auftauchen der Vorwürfe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bonn eingereicht, die daraufhin umfangreiche Unterlagen beschlagnahmte. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

DPA