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"Maybrit Illner" Herr Palmer aus Tübingen hadert mit "sehr deutschen Entscheidungen"

Boris Palmer aus Tübingen bei Maybrit Illner zum Coronavirus
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) war bei "Maybrit Illner" zugeschaltet
© Svea Pietschmann / ZDF / PR
Boris Palmers Tübingen will raus aus dem ewigen Lockdown. Das Modellprojekt läuft. Und es könnte noch viel mehr laufen, wenn hierzulande nicht auf jede Unterlage und jedes Beamten-Ja gewartet würde. Bei "Maybrit Illner" übte der Grünen-Politiker harsche Kritik an den "sehr deutschen Entscheidungen". 
Von Sylvie-Sophie Schindler

Und was sagen Sie dazu, Herr Tübingen? Hallo, Herr Tübingen, hören Sie mich? Gut, nur weil sich Moderatorin Maybrit Illner zweimal verspricht, muss man kein Illner-Bashing draus machen. Ist halt viel, das mit diesen permanenten Corona-Talks, und erst wenn der erste Talkshow-Liebling Herrn Söder mit Herrn Lauterbach verwechselt, könnte man von ernsthaften Nebenwirkungen sprechen. Und wie geht's uns eigentlich damit? Gegen Illner, Lanz und Konsorten gibt's noch keine Impfung, schon gar keine zugelassene, also schaltet man aus oder schaut immer wieder hin und fragt sich, träume ich das nur, gibt es überhaupt diese ganzen Lockdowns und wer bin ich und wenn ja wie viele und was will eigentlich dieser Herr Tübingen?

Boris Palmer stellt Tübinger Modellprojekt vor

Dieser Herr Tübingen ist der Herr Boris Palmer. Und dieser Herr Boris Palmer stammt aus Tübingen, wo er Oberbürgermeister ist. Und Tübingen ist das neue, das schönere Mallorca. Nur ohne Strand. Aber mit Tagesticket. Ballermann will eh keiner mehr. Und wer will Astrazeneca? Wieso überhaupt dieser Mallorca-Vergleich? Weil Herr Boris Palmer das nicht gut findet, dass Menschen nach Mallorca reisen und es auch nicht versteht. Wenn die Welt überhaupt wohin schauen sollte, dann doch bitte nach Tübingen. Hier läuft's.

Corona-Schnelltest: Tübingen lockt Menschen zum Shoppen in die Innenstadt

Vor drei Tagen der Start eines Modellprojekts: Öffnen statt Lockdown – via kostenlose Schnelltests für alle Einwohner der Stadt. Bezahlt vom Jens-Spahn-Ministerium, von der Landesregierung und einem Tübinger Unternehmer. Wer ein negatives Testergebnis hat, kann unter anderem Außengastronomie, Kino und Theater besuchen. Zum Ergebnis kann Herr Boris Palmer freilich noch nicht viel sagen: "Frühestens nach zehn Tagen." Es könne nicht sein, dass man nur noch den Lockdown zur Verfügung habe. Sondern "mehr Stadtleben mit mehr Sicherheit." Neue Perspektiven müssen her. Auch ohne Blick aufs Meer.

Sind etwa die Zeiten des "lustigen Masterplans", wie Illner den erst zwei Wochen alten Fünf-Stufen-Plan nennt, schon vorbei? Auf den war die Regierung eben noch so stolz wie Bolle. Der "lustige Masterplan", den uns Frau Berlin, also Frau Angela Merkel so erklärte: "… wenn auf dem Weg zwischen einem Öffnungsschritt und dem nächsten die Inzidenz von 100, also die Verdoppelung von 50 passiert, dann muss ich, wenn das drei aufeinanderfolgende Tage so ist, an dem zweiten darauffolgenden Tag wieder den Schritt zurückgehen zum Ausgangspunkt, wie es vor dem 8. März war." Genug gelacht.

Wir schalten wieder zu Herrn Boris Palmer. Der schlicht die Nase voll hat von den "sehr deutschen Entscheidungen". Damit meint er nicht den Socken-in-Sandalen-Look, sondern die Bürokratie in der Bürokratie. "Bei uns müssen immer alle Unterlagen zusammen sein und alle Beamten müssen ja gesagt haben", kritisiert er. Und ruft nach der "britischen Methode" des Trial-and-Error. "Wenn die Richtung stimmt, dann legen die los."

Geht das? Kann man das den Deutschen überhaupt zumuten? Ist nicht alles längst eine Zumutung? Per aspera ad astra – über raue Pfade gelangt man zu den Sternen – aber wie gelangt man zu Astrazeneca? Herr Boris Palmer is not amused. Again. Weil das mit dem Astra-Impfstoff auch anders hätte laufen können. Hätte laufen müssen. Aber: "Wir haben dreimal die falsche Entscheidung getroffen." Die Zulassung habe sich viel zu lange hingezogen. Dann habe man den Impfstoff ausgerechnet den Menschen über 65 Jahren vorenthalten. Und dann die Unterbrechung, die für Verunsicherung gesorgt habe. Herr Boris Palmer darf das sagen, und er darf auch sagen, dass er sich ärgert über die wochenlangen Genehmigungsverfahren auch in Bezug auf den Impfstoff der Tübinger Firma Curevac, weil man jetzt jeden Impfstoff brauche.

Titel von "Maybrit Illner"-Sendung ist egal

Und dass er erstmal nicht dafür ist, dass, so lange die Impfstraßen nur zur Hälfte voll seien, in den Arztpraxen geimpft werde, aber er darf nicht immer reden, weil beispielsweise Herr Wolfgang Niedecken aus Köln der Talkrunde mitteilen will, dass er sich impfen lassen wird. Und wenn sein Hausarzt nicht Stopp schreit – Niedecken hatte vor knapp zehn Jahren einen Schlaganfall – dann durchaus auch mit Astrazeneca. "Wir gratulieren", sagt Illner.

"Hoffnung mit Risiko – Impfen ohne Vertrauen?" so übrigens das Thema des Illner-Talks. Aber wer interessiert sich noch für Talktitel. Anders als das Corona-Virus mutieren die Talkthemen nicht. Und auch der Herr Karl Lauterbach ist wieder da, er soll ja neuerdings Everybody´s Darling sein, auf jeden Fall ist er ein Lanz-Darling, und deshalb muss Illner erstmal abmoderieren, bevor Lanz und Lauterbach übernehmen. Und über Astrazeneca sprechen.

Die "Maybrit Illner"-Sendung vom Donnerstagabend können Sie in der ZDF-Mediathek sehen.

wue

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