Überfall in Potsdam Opfer soll Übergriff provoziert haben


Immer mysteriöser werden die Hintergründe und das Geschehen um den Übergriff auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam: So mehren sich die Hinweise, dass das Opfer die Täter zunächst wüst beschimpft und sogar angegriffen haben soll.

Wie kam es zum Übergriff einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam? Es mehren sich die Hinweise, dass das Opfer den brutalen Übergriff selbst provoziert haben könnte. Zudem ist die Rede davon, dass ein Tatverdächtiger mit einem "Hitler" genannten Rechten verwechselt wurde. Solchen Medienberichten steht offiziell nur die Auskunft der Bundesanwaltschaft gegenüber: "Zu Details von einzelnen Ermittlungsergebnissen geben wird keine Auskunft."

Vorwurf der inoffiziellen Informationspolitik

Aus dem politischen Potsdam wird derweil der Vorwurf einer inoffiziellen Informationspolitik laut. Demnach lasse die Bundesanwaltschaft Teile ihrer Ermittlungsergebnisse an ausgewählte Medien durchsickern, gebe sich nach außen hin aber seriös, heißt es. Der Übergriff vom Ostersonntag auf den dunkelhäutigen Deutschen mit lebensgefährlichen Folgen war fraglos brutal. Doch es scheint, dass der Wasserbau-Ingenieur seine Angreifer zuvor verbal oder handgreiflich herausgefordert hat. So zitiert die "Berliner Morgenpost" Zeugen, die gesehen hätten, wie der stark alkoholisierte 37-Jährige einem von zwei vorbeigehenden Männern nach einem kurzen Gespräch einen Tritt ins Gesäß verpasst habe. Daraufhin habe einer der beiden Männer zugeschlagen.

Zuvor hatten Zeitungen berichtet, dass der Familienvater die Täter mit "Schweine" provoziert habe. Veikko Bartel, der Anwalt von einem der beiden wegen versuchten Mordes inhaftierten Verdächtigen, wollte zu Details aus den Akten zwar nichts sagen, erklärte aber: "Nach den in der Ermittlungsakte befindlichen Beweismitteln, insbesondere Zeugenaussagen sowie der Auswertung des Mailbox-Mitschnittes stellt sich das Geschehen gänzlich anders dar, als bislang von den Ermittlungsbehörden der Öffentlichkeit mitgeteilt."

Die DNA-Spuren

Der 29-jährige Mandant von Bartel sowie sein 30-jähriger mutmaßlicher Komplize wollen zum fraglichen Zeitpunkt zu Hause gewesen sein. Dagegen bestätigen Sicherheitskreise, dass es auf Grund von DNA-Spuren zweifelsfrei fest stehe, dass der 30-Jährige am Tatort war.

Die Täter hatten laut dem Mitschnitt auf der Handy-Mailbox der Frau des Opfers "dreckiger Nigger" gerufen. Zunächst hatten Zeitungen unter Berufung auf Opferinitiativen berichtet, dass der 30-Jährige ein bekannter Rechtsextremer mit dem Spitznamen "Hitler" sei. Doch erst "Märkische Allgemeine" und jetzt "Süddeutsche Zeitung" sprechen von einer Verwechslung. Der Tatverdächtige sei wegen gleichen Namens fälschlicherweise als dieser Rechtsextreme bezeichnet worden.

Personenverwechslung

Wie dpa aus Sicherheitskreisen erfuhr, handelt es sich tatsächlich um eine Personenverwechslung. "Wir kennen die Rechtsextremisten in Brandenburg", heißt es. Bereits unmittelbar nach der Festnahme der Verdächtigen vor mehr als einer Woche hatte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) davor gewarnt, sich vorschnell auf einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat festzulegen.

Diese und weitere Äußerungen Schönbohms zu dem Übergriff hatten zu einem Streit mit Generalbundesanwalt Kay Nehm geführt und mit zu einer Koalitionskrise im Land beigetragen. Den Streit mit Nehm erklärte Schönbohm inzwischen für beendet. Derweil reißen die Spekulationen um die Tat nicht ab. Licht ins Dunkel kann allein die Bundesanwaltschaft bringen, sobald sie Ermittlungsergebnisse oder gar einen Abschluss vorlegt. Bis dahin wird der Fall Potsdam für die Öffentlichkeit mysteriös bleiben.

DPA DPA

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